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Astronomie

Schwarzes Loch in der Nähe

Eine Visualisierung des Doppelsternsystems HR 6819
Eine Visualisierung des Doppelsternsystems HR 6819APA/AFP/European Southern Observ
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In einem nur 1000 Lichtjahre entfernten Sternsystem ist ein unsichtbares Objekt mit mindestens vier Sonnenmassen.

„2000 Light Years From Home“ hieß ein Song der Rolling Stones 1967; im selben Jahr etablierte der theoretische Physiker John Archibald Wheeler bei einer Konferenz auf Zuruf eines (nicht überlieferten) Zuhörers den Begriff Schwarzes Loch für das, was er davor gravitätisch „gravitationally completely collapsed object“ genannt hatte. Nachgewiesen war ein solches – erstmals 1916 von Kurt Schwarzschild aufgrund der Allgemeinen Relativitätstheorie postuliertes – Objekt damals noch nicht; seit 1992 gibt es gute Indizien für die Existenz eines Schwarzen Lochs im Zentrum der Milchstraße; 2019 gelang die erste radioteleskopische Aufnahme eines solchen Monsters der Schwerkraft.

Das Zentrum unserer Galaxie, der Milchstraße, ist 27.000 Lichtjahre von uns entfernt, das bisher erdnächste bekannte Schwarze Loch – V4641 Sagittarii – wird auf immerhin 20.000 Lichtjahre Entfernung geschätzt. Doch nun berichten Astronomen der Europäischen Südsternwarte (ESO) um Thomas Rivinius in Astronomy & Astrophysics (6. 5.), dass sie eines entdeckt haben, das nur 1000 Lichtjahre entfernt ist, „das der Erde nächste Schwarze Loch, das wir bisher kennen“, so Rivinius.

„Spitze eines aufregenden Eisbergs"

Es gehört zu einem Doppelsternsystem namens HR 6819, das sogar mit freiem Auge sichtbar sein soll. Aus den Bewegungen der beiden Sterne schlossen die Astronomen auf die Existenz eines dritten, aber unsichtbaren Objekts. „Ein unsichtbares Objekt, dass mindestens viermal so schwer ist wie die Sonne, kann nur ein Schwarzes Loch sein“, sagt Rivinius. Diese Entdeckung sei „nur die Spitze eines aufregenden Eisbergs“. Denn Astrophysiker glauben, dass es in der Milchstraße Hunderte Millionen Schwarze Löcher geben müsse, schließlich enden schwere Sterne als solche. Doch man kennt bisher nur sehr wenige und die meist nicht sicher. Einem zweiten – in einem System namens LB-1 –, das ein bisschen weiter weg sein soll, sind die ESO-Forscher schon auf der Spur.