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Gericht: Geldstrafe für falsche Pflegerin

Frau von Ex-Kanzler Schüssel klagte: "Frau Maria" in 1. Instanz verurteilt.

WIEN. Die Illustrierte "News" hatte die Story "exklusiv": "Frau Maria, jene illegale slowakische Pflegerin, die die Schwiegermutter von Bundeskanzler Schüssel betreute, bricht ihr Schweigen." Allein: "Frau Maria" gab es nicht. Jene 52-Jährige, die sich vorigen September als Pflegerin von Schüssels Schwiegermutter ausgeben hatte, wurde am Dienstag in Wien wegen übler Nachrede verurteilt.

Da die Frau ihr Monatseinkommen mit 350 Euro bezifferte, fiel die Sanktion dementsprechend moderat aus: 200 Euro Geldstrafe.

Die "exklusive" Geschichte war von dem Journalisten und Buchautor Hans Weiss im Zuge der Debatte um den Pflegenotstand eingefädelt worden. Indem er der Illustrierten eine falsche "Frau Maria" präsentierte, habe er aufzeigen wollen, "wie Boulevard funktioniert". Hätte die Zeitschrift den damaligen Bundeskanzler angerufen und mit der angeblich "illegalen Pflegerin" konfrontiert, wäre der Schwindel aufgeflogen.

Jener Reporter, der "Maria" interviewte, sagte am Dienstag im Zeugenstand: "Ich wäre nie auf die Idee gekommen, dass er so einen Fake (Täuschung, Anm.) baut; für mich war Hans Weiss ein preisgekrönter Journalist. Ich habe ihm vertraut."

Weiss: "Ich habe nie damit gerechnet, dass die das veröffentlichen." Ihm sei für die Story auch Geld geboten worden. Weiter: ",News' macht aus jedem Furz eine Sensation."

Die beschuldigte "Frau Maria" wandte sich nun an Krista Schüssel, die Ehefrau des früheren Bundeskanzlers Wolfgang Schüssel und deren ebenfalls im Gerichtssaal anwesende Schwester: "Ich habe nie vorgehabt, Sie zu kränken oder desavouieren."

Dies sei aber sehr wohl passiert, hieß es sinngemäß in der Urteilsbegründung. Richterin Nina Steindl erklärte, mit dem Interview sei die Familie Schüssel "eines unehrenhaften Verhaltens bezichtigt worden, das geeignet war, sie in der öffentlichen Meinung herabzuwürdigen".

Die Verurteilte möchte die Strafe jedoch nicht hinnehmen. Sie meldete sofort volle Berufung an. Auch der Anwalt der Familie Schüssel, Manfred Ainedter - er hatte die Privatanklage ausgearbeitet - gab sich denkbar kampflustig. Er nannte "Frau Maria" eine "Betrügerin" und kündigte auf "Presse"-Anfrage ebenfalls Rechtsmittel an; die Geldstrafe sei viel zu milde ausgefallen.