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Ramfahrt

Chinas neuer Raumschiff-Prototyp nach Testflug gelandet

Die Kapsel nach der Landung in der Inneren MongoleiCNSA
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Die neuen Kapseln sollen den Bau einer großen Raumstation einleiten und sind für Flüge bis zum Mond und darüber hinaus konstruiert. China strebt einen Spitzenplatz auch in der bemannten Raumfahrt an - und hat dabei eine Kooperation just mit Italien.

Chinas neuer Raumschiff-Prototyp für bemannte Flüge ist nach Behördenangaben am Freitag erfolgreich zur Erde zurückgekehrt. Die kegelförmige Kapsel sei unbemannt und sicher an der vorgesehenen Stelle gelandet, teilte die chinesische Raumfahrtagentur CNSA mit. An Ort und Stelle sei bestätigt worden, dass die Kabinenstruktur intakt sei.

Eine ebenfalls neu gebaute Rakete Typ "Langer Marsch 5B" (Nutzlast 22 Tonnen) hatte am Dienstag mit dem Raumschiff sowie einer speziellen neuen Frachtkapsel vom Weltraumbahnhof Wenchang auf der südchinesischen Insel Hainan abgehoben. Minuten später entkoppelte sich das Raumschiff und die Frachtkapsel den Angaben zufolge planmäßig und erreichten die vorgesehene Umlaufbahn.

Frachtkapsel ging verloren

Bei der Frachteinheit ging allerdings etwas schief: Sie hätte schon am Mittwoch autonom zurückfliegen sollen, ging allerdings verloren. Näheres wurde vorerst nicht bekannt.

Das Hauptschiff indes war der Raumfahrtagentur zufolge zwei Tage und 19 Stunden im All und absolvierte Experimente, darunter mit einem 3-D-Drucker. Mit dem neuen Schiff soll die nächste Stufe des nationalen Raumflugprogramms eingeleitet werden, das die Fertigstellung einer permanenten Station nach Art und Größe der früheren russischen „Mir" bis 2022 vorsieht.

Darüberhinaus sind die neuen Schiffe, deren Name noch nicht bekannt ist, erstmals auch für Flüge über erdnahe Orbits hinaus gedacht, etwa zum Mond und tiefer ins All. Sie werden von China Aerospace Science and Technology Corporation gebaut und die „Shenzhou"-Kapseln ersetzen, die seit 1999 elf Mal ohne gröbere Probleme flogen, und im Vergleich zu denen sie deutlich größer sind.

Gegenstück zum US-europäischen „Orion"-Schiff

Die neuen chinesischen Raumschiffe sind modular gebaut und auf Missionen „zurechtschneidbar". Man nimmt an, dass darin sechs Personen oder drei Personen und eine halbe Tonne Fracht Platz haben. Das sowie die äußeren Maße entsprechen den Dimensionen der kommenden US-europäischen „Orion"-Schiffe, deren Erstes allerdings erst Ende 2021 zu einem unbemannten Testflug aufbrechen dürfte.

China strebt einen Spitzenplatz in der Raumfahrt an. Beim Bau der großen Raumstation ziert man sich hinsichtlicher internationaler Beteiligung, es gibt allerdings just mit Italiens Weltraumagentur ASI seit 2017 einen Kooperationsvertrag. Italien hat mehrere Komponenten der ISS konstruiert und im Rahmen der ESA viel Erfahrung mit bemannter Raumfahrt; über die Achse Rom - Peking könnte auch Europa generell einen gewissen Anteil an Chinas Raumfahrt bzw. Informationen darüber bekommen.

Langfristig will China in etwa zehn Jahren einen Taikonauten (Raumfahrer) auf den Mond schicken, doch hängt da noch viel in der Luft. Ebenso wie bezüglich von Expeditionen über den Mond hinaus, wobei oft Mars und sogar Saturn genannt wird. Zeitraum: 2030 bis 2060.

(AFP/wg)