Pippi erfindet die verrücktesten Geschichten und Spiele. Dafür braucht es auch freie, unstrukturierte Zeit. Bild: Inger Nilsson als Pippi in der Serie von 1969.
75. Geburtstag

Pippi: So ein Mädchen ist zu frei für unsere Zeit

Welch ein Gegensatz zu den Connis und Hermines von heute! Statt verrückt und verspielt gilt jetzt: planvoll und effizient. Zum 75. Geburtstag von Pippi Langstrumpf.

Pippi Langstrumpf, das ist zuallererst Stärke. Sie kann ein Pferd heben – und macht das auch recht oft. Sie kann Möbel durch die Luft und Diebe aus ihrem Haus werfen. Überhaupt, dieses Haus: Es ist voller Schätze (und auch Waffen), Pippi lebt darin allein und kann tun, was sie gern möchte. Etwa auf dem Fußboden Kekse backen oder mit Tommy und Annika auf die Möbel klettern. Dabei ignoriert Pippi Verhaltensregeln nicht, nein, denn dafür müsste sie diese erst einmal kennen. Was man tut oder eben nicht, überrascht sie oft. Hat ihr jemals jemand gesagt, dass Mädchen lieb und hübsch, bescheiden und fleißig sein sollen? Wenn ja, hat sie nicht zugehört. Sie tut, worauf sie gerade Lust hat, und damit lebt sie höchst zufrieden. Mit ihrer Autonomie, die durch einen Koffer voller Goldstücke auch eine finanzielle ist, kann Pippi sich den Erwachsenen ebenbürtig fühlen. Doch ihre Welt ist die Gegenwelt zu jener der Erwachsenen.

Lindgrens erstes Buch. Pippi hatte Einfluss. Das Mädchen aus der Villa Kunterbunt prägte Generationen von Müttern und Töchtern. Nicht nur die Texte von Astrid Lindgren, sondern auch die Serie aus dem Jahr 1968 und die nachfolgenden Filme. Die Figur entstand, als Karin Nyman, die Tochter der Autorin, mit sieben Jahren krank im Bett lag und um Geschichten bat. Astrid Lindgren erzählte Abend für Abend von Pippi, die seltsam war und unbesiegbar. Sie schrieb die Geschichten erst drei Jahre später auf und überreichte sie ihrer Tochter im Mai zum zehnten Geburtstag. Als sie das Manuskript erstmals an einen Verlag schickte, merkte sie scherzhaft an: „Ich kann nur hoffen, dass Sie nicht das Jugendamt alarmieren.“