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Der Dritte Mann, die Vier im Jeep

Videokonferenz zwischen Moskau, Washington, London und Paris zum Gedenken ans Kriegsende vor 75 Jahren.

Wladimir Putin: Meine schöne Parade auf dem Roten Platz zum glorreichen Sieg der Roten Armee – ein Flop. Und das nur wegen Corona und China. Aber dieser Sebastian Kurz – ein Teufelskerl! Ich muss schon sagen: Welch grandiose Idee, uns allen zum Tag des Siegs ein Podium zu bieten. Zwar nur virtuell, aber im Staatsfunk.

Donald Trump: Fantastisch. Great young guy. So nett, so aufmerksam. Ein echter Leader. Der darf mich bald wieder besuchen – aber ohne seinen Außenminister. Der ist immer im Iran unterwegs.

Boris Johnson: Sorry, war verhindert. Very busy – Baby-Boy Wilf, Windelwechseln, Brexit. Weiß gar nicht, was ich erst anpacken soll.

Emmanuel Macron: Autriche! Vienne! Schönbrunn! Belvedere! L'Opéra! Le Burgtheater! Thomas Bernhard! Wittgenstein! Klimt! Fin de siècle! Wie gern würde ich da hin – im Mai, wenn alles blüht.

Putin: Ich hab' da eine Idee: Habt ihr am Freitag Zeit? Zur 65-Jahr-Feier des Staatsvertrags. Ein Jubiläum geht, das nächste kommt.

Johnson: Sure. Krieg' ich eine Sachertorte? Und darf ich eine mitnehmen? Und mit dem Riesenrad fahren wie der „Dritte Mann“?

Trump: Dann brettern wir im Jeep über die – wie heißt sie noch? – Ring-Avenue. Aber dass das klar ist: Ich sitz' am Steuer. (vier)

Reaktionen an: thomas.vieregge@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.05.2020)