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Kolumne zum Tag

Die dunklen Geheimnisse der Pasta Schutta

Spaghetti bolognese kennt der Italiener nur als ausländische Misshandlung seiner Küche.
Spaghetti bolognese kennt der Italiener nur als ausländische Misshandlung seiner Küche.(c) imago images / Panthermedia
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Das Sugo oder der Sugo? Ist die Nudel mit dem Knödel verwandt? Und was sagen Italiener dazu?

Nicht einmal in Ruhe essen kann man. „Kannst du mir bitte den Sugo geben“, sagt das Gegenüber. Und nein, eigentlich will man jetzt wirklich nicht diskutieren, warum das Sugo plötzlich ein Männchen sein soll. Aber sicherheitshalber schlägt man doch nach. Und entdeckt im Duden, dass es tatsächlich „der Sugo“ heißt, aber auch – wie bitter! – „die Sugo“. But not in the earnest, Bussibär! Schnell im Österreichischen Wörterbuch nachgeschlagen – auch dort steht „der Sugo“ (Mamma mia!), aber auch „das Sugo“ (Grazie a Dio!). Das italienische Wort Sugo kommt vom lateinischen sucus, also Saft – und ist in beiden Sprachen männlich.

Wie es dazu kam, dass das Sugo gleich drei grammatische Geschlechter hat? Spekulieren wir nicht, widmen wir uns lieber dem zweiten Teil des Essens – der Nudel. Die ist eindeutig weiblich, und doch birgt sie ein Geheimnis – ihre Herkunft nämlich. Möglicherweise ist sie eine Lautvariante von Knödel. Eine zweite Theorie besagt, dass sich der Begriff aus dem grödnerischen menùdli entwickelt hat, einer Suppeneinlage aus viereckigen Teigplättchen, die von Südtirol aus ihren sprachlichen Siegeszug um die Welt angetreten hat.

Gut, und dann reden wir noch über das ganze Gericht: Pasta Schutta, hm? Das schreibt man erstens „Pasta asciutta“, was auf Italienisch soviel wie abgetrockneter Teig bedeutet. Zweitens verstehen Italiener darunter lediglich nach dem Kochen abgetropfte Pasta. Und drittens würde man in Italien für Nudeln mit Fleischsauce niemals Spaghetti verwenden – Ragù alla bolognese, eine lang geschmorte Fleischsauce, wird in der Regel mit Tagliatelle serviert oder in Cannelloni und Lasagne verarbeitet. Spaghetti bolognese kennt der Italiener nur als ausländische Misshandlung seiner Küche. So, genug doziert, da hast du dein Sugo! Können wir dann bitte wieder in Ruhe essen?

E-Mails an: erich.kocina@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.05.2020)