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Nachruf

Liebesstrategin des Soul: Betty Wright ist tot

Betty Wright (1953-2020)
Betty Wright (1953-2020)APA/AFP/JOE KLAMAR
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Betty Wright, die sanfte Frauenaktivistin des Miami Soul, ist 66-jährig in ihrer Heimatstadt an Krebs gestorben.

„The guys are gonna wander, go out and play sometimes“, sang die damals nicht einmal 15-jährige Betty Wright auf dem Opener ihres Debütalbums, das 1968 in die Läden kam. Die hübsche Melodie wurde durch einen lockeren Rhythmus befeuert, wie er typisch wurde für den Miami Soul. Im Refrain dieses „Girls Can't Do What The Guys Do“ betitelten Songs hielt Wright Trost für ihre Geschlechtsgenossinnen parat: Sie mögen Zwist mit ihren Partnern in der Privatsphäre („just for two“) klären . . .

Auch wenn manches auf ihren frühen Alben etwas naiv anmutete, war die 1953 in Miami geborene Sängerin früh schon eine Kämpferin für die Gleichstellung von Frau und Mann. Ihre Strategien waren samten, die meisten ihrer Liebe und Partnerschaft umkreisenden Lieder spielten in kleinbürgerlichen Kreisen. In „Secretary“ ortete sie Dämonisches in der mit dem Chef flirtenden Sekretärin, und auch in ihrem größten Hit „Clean Up Woman“ ging es um Konkurrenz unter Frauen. Für „Where's The Love“ bekam sie 1975 einen Grammy. In „Tonight Is The Night“, das in der Liveversion von 1978 zum Welthit in den Diskotheken wurde, erzählt sie von der Hochspannung vor einem Rendezvous. Nach den roheren, großteils von Clarence Reid (dem späteren Blowfly) komponierten Siebzigerjahre-Alben verfeinerte Wright ihren Sound in den Achtzigern und war mit Songs wie „No Pain, No Gain“ sehr erfolgreich. 2011 erschien ihr letztes Album „The Movie“, eingespielt mit der Hiphop-Kombo The Roots. Zudem half sie der britischen Kollegin Joss Stone bei deren erfolgreichem Debüt. Ihre Lieder werden sie überdauern.