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Mit Blockchain Geige spielen

Yury Revich im Wiener StephansdomMax Brucker
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Die digitale Welt wird der Kunst bleiben, glaubt Geiger Yury Revich. Er lädt zum Fern-Konzert aus dem Dom – und baut selbst eine Streaming-Plattform.

Live zu spielen – das, sagt Yury Revich, „bleibt auf Platz 1“. Aber sollte es nicht möglich sein, muss es auch anders gehen – diese Erkenntnis hat die jüngste Zeit gebracht, und sie wird, glaubt der Geiger, auch nicht wieder verschwinden.
Seine ersten Erfahrungen hat er dabei gleich zu Beginn der Ausgangsbeschränkungen gesammelt. Allein zu üben, das sei er ja gewohnt gewesen. Aber so gar kein Publikum zu haben? Als einer der ersten hatte der Russe damals zu „Hauskonzerten“ aus seiner Wiener Wohnung geladen. Er sei schon früher recht aktiv auf Instagram und Facebook gewesen, mit den gestreamten Konzerten habe er „die perfekte Nutzung“ gefunden. „Ich stelle einfach mein Handy oder meinen Computer vor mich hin. So sehe ich dann auch die Reaktionen der Leute.“ Statt unmittelbarer Energie und Applaus gab es dort dann eben Zuschauerzahlen, Emojis und Kommentare und im Anschluss einen Chat.
Inzwischen sind die Hauskonzerte ins Hintertreffen geraten – weil sich der 28-Jährige („weil ich nicht zu Hause sitzen und nichts tun wollte“) größere Projekte vorgenommen hat. So hat er für kommenden Sonntag in kürzester Zeit ein (gestreamtes) Benefizkonzert aus dem Wiener Stephansdom auf die Beine gestellt. An seiner Seite: Dompfarrer Toni Faber, die Schauspieler Cornelius Obonya und Andrea Jonasson, mit denen er schon früher aufgetreten ist, Solotänzerin Maria Yakovleva und Bogdan Laketic am Akkordeon. Letzteres, sagt Revich, „klingt im Dom fast wie eine Orgel.“
Aufgenommen wurde das Konzert schon dieses Wochenende, auch dank der Hilfe von Sound- und Kameraleuten und einer Equipmentfirma, die sich in den Dienst der Sache gestellt haben, nämlich, Italien zu helfen. Revich hat in Fiesole bei Florenz studiert und heute noch Freunde im Land. Einer von ihnen engagiert sich in einer Fundraising-Kampagne, weil die Lage in manchen Spitälern heute noch prekär sei, „da gibt es Patienten, zu denen kommt zwölf Stunden lang keine Krankenschwester.“ Vor allem aber sei das Konzert als „Zeichen der Freundschaft“ zu sehen, und ein bisschen auch als Ersatz: Ende Mai hätte im Kolosseum in Rom eine „Dreamland with Yury Revich“-Gala zugunsten der Unicef stattfinden sollen.