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Ausgangssperre

Nordkorea, das Land ohne Covid-19?

Die offiziellen Coronavirus-Zahlen aus Nordkorea werden stark bezweifelt. Diktator Kim Jong-un soll sogar in Selbstisolsation wegen des Virus gegangen sein.
Die offiziellen Coronavirus-Zahlen aus Nordkorea werden stark bezweifelt. Diktator Kim Jong-un soll sogar in Selbstisolsation wegen des Virus gegangen sein.via REUTERS
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Im chinesischen Shulan an der Grenze zu Nordkorea häuften sich die Covid-19-Infektionen. An den offiziellen Zahlen aus der benachbarten Diktatur von Kim Jong-un wird massiv gezweifelt.

Eine neuerliche Ausgangssperre, die die chinesischen Behörden am Wochenende über die Stadt Shulan (Provinz Jilin) nach der Häufung von Covid-19-Infektionen verhängt hat, wirft neue Fragen über die gesundheitliche Lage in Nordkorea auf. Shulan liegt nahe der 1420 Kilometer langen Grenze Chinas zu Nordkorea. Zwar hat das Regime in Pjöngjang diese Grenze im Jänner geschlossen, doch war sie immer schon durchlässig für Händler und Schmuggler. Auch waren chinesische Touristen die einzigen, die bis Jahresanfang das abgeschottete Land in größerer Zahl besuchen durften.

Schon allein wegen dieser chinesisch-nordkoreanischen Kontakte war also immer höchst fraglich, warum es in Nordkorea keine Covid-19-Fälle geben sollte, wie das Regime von Kim Jong-un bis heute behauptet. Freilich gab es zahlreiche Hinweise darauf, dass staatliche Maßnahmen gegen das Coronavirus ergriffen wurden. Im März verlautete offiziell, dass 5400 Personen aus der Quarantäne entlassen worden seien; im April hieß es, dass es in Pjöngjang Panikeinkäufe in den ohnedies spärlich ausgestatteten Lebensmittelgeschäften gegeben habe.

War Kim Jong-un in Selbstisolation?

Der südkoreanische Geheimdienst teilte vergangene Woche mit, dass das dreiwöchige Verschwinden von Diktator Kim Jong-un aus der Öffentlichkeit im April nichts mit Herzproblemen oder einer Operation zu tun hatte, sondern er sich möglicherweise in Selbstisolation wegen Covid-19 befunden habe. Dass Kim in diesem Jahr nur 17 öffentliche Auftritte im Vergleich zu 50 bis Mai 2019 hatte, könne auch mit der Ausbreitung des Coronavirus in Nordkorea zu tun haben.

Nach einem Bericht des chinesischen Staatsfernsehens von vergangener Woche ist Staats- und Parteichef Xi Jinping sehr besorgt über die Lage in Nordkorea und die Gesundheit der Menschen dort. China sei bereit, Nordkorea im Kampf gegen die Covid-19-Pandemie zu unterstützen, versicherte Xi in einem Schreiben an Kim Jong-un.
Tatsache ist, dass ein desolates Gesundheitssystem, internationale Sanktionen und Jahrzehnte der Misswirtschaft mehr als 40 Prozent der nordkoreanischen Bevölkerung chronisch unterernährt und anfällig für Seuchen gemacht haben.

(Bloomberg, b.b.)