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Fake-News

Drosten: "Tödliche Verbreitung von Fehlinformationen"

Besonders der Microsoft-Gründer Bill Gates ist ins Zentrum der Verschwörungstheorien gerückt.imago images/Ralph Peters
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Virologe Christian Drosten und 100 Ärzte, Gesundheitsexperten und Krankenpfleger schlagen in einem Offenen Brief Alarm. Facebook, Twitter und Google müssten aufhören, Verschwörungstheorien anzufachen. Die Plattformen reagieren nur langsam.

Das Coronavirus hat sich über die gesamte Welt ausgebreitet und gilt seit Wochen als Pandemie. Mit dem Virus kämpft die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zeitgleich gegen eine ganz andere Ausbreitung. "Wir kämpfen auch gegen eine 'Infodemie'. Fake News verbreiten sich schneller und einfacher als dieses Virus, und sie sind genauso gefährlich“, warnte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus schon zu Beginn der Münchner Sicherheitskonferenz im Februar. Jetzt warnt auch der bekannte Virologe Christian Drosten gemeinsam mit Ärzten, Krankenpflegern und Gesundheitsexperten vor „der tödlichen Verbreitung von Fehlinformationen“ in einem Offenen Brief. „Um Leben zu retten und das Vertrauen in die wissenschaftlich fundierte Gesundheitsversorgung wiederherzustellen, müssen die Tech-Giganten aufhören, die Lügen, Verdrehungen und Fantasien, die uns alle bedrohen, weiter anzufachen“, heißt es darin.

Kokain sei ein Heilmittel, das Virus wurde als biologische Waffe entwickelt oder Bill Gates stecke hinter dem Virus. Meldungen wie diese verbreiten sich rasanter als das Virus selbst, warnt Drosten. Facebook, Twitter und Co. reagieren jedoch nur langsam.

Tech-Giganten müssen aufhören, die Lügen, Verdrehungen und Fantasien, die uns alle bedrohen, weiter anzufachen.

Christian Drosten, Offener Brief

Seit mehr als vier Monaten grassiert das Coronavirus und erst jetzt werden die Plattformen aktiv. Twitter hatte in den vergangenen Wochen auch bereits dubiose Botschaften zum Coronavirus komplett gelöscht. Darunter waren Behauptungen, dass es einen Zusammenhang zwischen der Pandemie und der 5G-Technologie gebe. Entfernt wurden auch zwei Tweets des brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro, der Quarantäne-Maßnahmen infrage gestellt hatte. "Irreführende" und "umstrittene" Botschaften zu der Pandemie sollen künftig auf dem Kurznachrichtendienst gekennzeichnet werden, teilte das Unternehmen mit. Bei der Identifizierung arbeite Twitter mit "vertrauenswürdigen Partnern" zusammen.

Beiträge sollen Kennzeichnung erhalten

Um welche Partner es sich dabei handelt, bleibt unklar. Ganz im Gegensatz zu Facebook, das nun ebenfalls gezielt gegen Falschmeldungen in Österreich und der Schweiz vorgehen will. In Deutschland gibt es solche Faktenprüfer bereits seit 2019. Gemeinsam mit der Deutschen Presseagentur und der APA in Österreich und der SDA in der Schweiz sollen Beiträge auf ihre Echtheit geprüft werden.

Die Beiträge sollen nicht nur gelöscht werden. Wenngleich bereits Millionen solcher Posts von Facebook bereits entfernt wurden. Die Plattform wolle ihre Nutzer mehr schützen und informieren, heißt es in einer Aussendung. Falschmeldungen sollen als solche gekennzeichnet werden. Den Nutzern sollen zusätzlich „verlässliche Informationen“ von Medienpartnern angezeigt werden.

„So können sie (die User, Anm.) selbst entscheiden, ob eine Quelle oder eine Nachricht als vertrauenswürdig erachtet werden kann“, schreibt Facebook in einer Aussendung. Zudem werden Personen, die diese Inhalte bereits geteilt haben oder dies beabsichtigen über die Überprüfung informiert.

Zwei Kernforderungen

Der Offene Brief, der bereits in der New York Times abgedruckt wurde, enthält zwei zentrale Forderungen.

  • „Richtigstellungen zu den Gesundheits-Fehlinformationen veröffentlichen.“ Facebook sei zwar dazu übergegangen Beiträge zu kennzeichnen. Dennoch seien diese Beiträge immer noch zugänglich. Es sollten deshalb „alle Nutzer“, die damit in Berührung kamen, gewarnt werden.
  • „Algorithmen entgiften, die bestimmen, was den Benutzern angezeigt wird.“ Hierbei stehe im Vordergrund, Seiten und Gruppen die Fake-News verbreiten würden, sollen nicht mehr in den News-Feeds angezeigt werden. Auch „Wiederholungstäter“ sollten aus „inhaltsempfehlenden Algorithmen herausgenommen werden.“