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Hochschulen

Cartellverband will ein "neutrales Semester" auch für Universitäten

Die Unis sollen genauso wie ihre Studenten ein "neutrales Semester" haben. Im Bild: Die Uni Wien.Die Presse
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Auch Universitäten sollen wegen Corona keine finanziellen Schwierigkeiten bekommen, findet der Österreichische Cartellverband (CV). Die Krise sollte als Chance gesehen werden, um die Digitalisierung an Hochschulen voranzutreiben.

Michael Bayrhammer ist gerade in mehrfacher Funktion unterwegs: Der 24-Jährige ist nicht nur Präsident des Cartellverbands (CV), des größten österreichischen Akademikerverbands. Er ist auch Student am Juridicum – und außerordentlicher Zivildiener beim Roten Kreuz. Bayrhammer erlebt also gerade selbst, wie chaotisch das Studieren sein kann, wenn eine Pandemie wütet, Prüfungen verschoben werden und ein Job dazukommt. Er begrüßt demnach, dass Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) das laufende Semester als „neutral“ erklärt hat. So entstehen bei der Studienförderung keine Nachteile: Das Semester bleibt für die Berechnung der Anspruchsdauer, die Fristen zum Nachweis des Studienerfolgs oder die Einhaltung der Altersgrenze außer Betracht.

Bayrhammer und der CV appellieren aber, das Semester nicht nur für Studierende „neutral“ zu machen – sondern auch für Unis. „Denn es gibt Leistungsvereinbarungen, die sie nie erfüllen können.“ Hintergrund: Universität schließen mit Ministerien einen Vertrag ab. Sie verpflichten sich darin zu Leistungen (etwa einer Anzahl an prüfungsaktiven Studierenden), daran orientiert sich das Budget. „Es wird jetzt aber sicher weniger prüfungsaktive Studenten geben“, sagt Bayrhammer. „Die Unis sollten dadurch keine finanzielle Schwierigkeiten bekommen.“

„Kein Deckmantel für mangelnde Initiative"

Außerdem dürfe das neutrale Semester „nicht als Deckmantel für mangelnde Initiative“ dienen, sagt Bayrhammer. Viele Professoren seien engagiert, aber bei manchen finde „die Lehre nicht mehr so intensiv statt“. Nach dem Motto: Das Semester würde ja „nicht zählen“. „Das gilt zwar für Beiträge, aber nicht die Lebenszeit“, sagt Bayrhammer.

Außerdem müsse man die Krise als Chance sehen, um die Digitalisierung an Unis voranzutreiben. Denn gerade bei Studiengängen wo Lehrveranstaltungen „perfekt online abgehalten werden können“, würde es schlecht funktionieren. Am Juridicum hätte man schon vor der Krise auf digitales Lernen setzen können. Nun, während Corona, seien zum Teil die technischen Voraussetzungen nicht da.

Und auch der CV spürt die Krise: „Im Prinzip fehlt uns ein Semester an Neuzugängen.“ Rund 200 neue Studenten würden im Durchschnitt beitreten. Ältere und jüngere Kartellbrüder hätten sich in den vergangenen Wochen und Monaten aber generationenübergreifend unterstützt. [QGA1R]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.05.2020)