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Autoindustrie

Elon Musk widersetzt sich der Corona-Sperre

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Elon Musk wurde 2003 Mitgründer und Chef von Tesla Motors.(c) APA/AFP/BRENDAN SMIALOWSKI (BRENDAN SMIALOWSKI)
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Der Tesla-Chef hält die Panik um das Virus für „dumm“ und beordert seine Mitarbeiter aus der Quarantäne zurück an die Werkbank. Gegen das Alameda County reichte er indes wegen der Beschränkung eine Klage ein.

„Ich werde mit allen anderen in der Schusslinie stehen“, erklärt Tesla-Chef Elon Musk auf der Onlineplattform Twitter. „Tesla nimmt heute die Produktion wieder auf, gegen die Regeln im Alameda County.“ Mit der Eröffnung des E-Auto-Werks in Fremont setzt sich der exzentrische Tech-Pionier über die Ausgangsbeschränkungen der kalifornischen Behörden hinweg. Er bezeichnete diese als „faschistisch“.

„Wenn jemand verhaftet wird, dann sollte es nur ich sein“, konstatiert er weiter. Wem die Rückkehr an den Arbeitsplatz zu risikoreich erscheint, könne unbezahlten Urlaub nehmen, erklärte die Nordamerika-Personalchefin, Valerie Capers Workman.

Musk hält Todesrate für überzogen

Wer in Österreich untersagte Betriebe betritt, muss laut dem Covid-19-Maßnahmengesetz mit einer Geldstrafe von bis zu 3600 Euro rechnen. Inhaber von Betriebstätten können mit bis zu 30.000 Euro geahndet werden, wenn sie die Einhaltung des Betretungsverbots nicht sicherstellen. Während hierzulande die ersten Lockerungen kommen, warnt der Pandemie-Experte Anthony Fauci eindringlich vor einer zu raschen Aufhebung der Corona-Beschränkungen für die US-Wirtschaft. Sollten Richtlinien des Weißen Hauses für die US-Staaten missachtet werden, „riskieren wir die Gefahr multipler Ausbrüche quer durchs Land“, zitiert die „New York Times“ den US-Regierungsberater. Die USA verzeichnen weltweit die meisten Corona-Infektionen. Mehr als 1,35 Millionen Ansteckungen wurden bestätigt, über 80.000 Menschen sind infolge einer Covid-19-Erkrankung gestorben.

Doch Musk bezeichnet die Sterblichkeitsangaben als überzogen und diesbezügliche Panik als „dumm“. Mit Tweets wie „Befreit Amerika jetzt“ zeigt er seinen Unmut über die Beschränkungen, mit denen die Ausbreitung des Virus verhindert werden soll. Am Samstag drohte der Milliardär damit, den Hauptsitz des Unternehmens von Kalifornien nach Nevada oder Texas zu verlegen, und reichte eine Klage gegen das County ein. Doch die Erfolgschancen sind gering, denn der kalifornische Gouverneur, Gavin Newsom, machte klar, dass es Sache der Gemeinden sei, über den genauen Zeitplan der Öffnung zu entscheiden.

Niemand kann Musk zügeln

Trotzdem scheint Musk mit seiner Krawallmethode Erfolg zu haben. Gouverneur Newsom bemühte sich am Montag noch vor dem Tweet, die Spannungen abzubauen, und äußerte die Erwartung, Tesla könne den Betrieb schon in der nächsten Woche wieder aufnehmen. In der Region ist das Werk mit 10.000 Angestellten einer der größten Arbeitgeber. Inzwischen teilte das Alameda County mit, Tesla werde Planungen zur Einhaltung der kalifornischen Coronavorschriften für das produzierende Gewerbe vorlegen. Verhaftet wird der Unternehmer also anscheinend nicht.

Dass Musk schwer zu zügeln ist, mussten auch die Tesla-Aktionäre schon teuer bezahlen. Seine Äußerungen lösten in der Vergangenheit Turbulenzen beim Aktienkurs aus. Im Sommer 2018 kündigte Musk auf Twitter an, dass er erwäge, Tesla von der Börse zu nehmen, und die Finanzierung gesichert sei.Ein Bluff, auf den eine regelrechte Kursexplosion folgte. Die US-Börsenaufsicht SEC kam nach einer Untersuchung zu dem Schluss, dass Musk keine festen Finanzierungszusagen gehabt habe. Seitdem sieht eine Vereinbarung mit der SEC vor, dass Musk sich seine Tweets von dem Unternehmen freigeben lassen muss.

Skurrile Twitter-Eskapaden

Dennoch reißen die skurrilen Äußerungen auf Twitter nicht ab. So schrieb der Milliardär Anfang Mai, dass der Kurs der Tesla-Aktie seiner Ansicht nach zu hoch sei. Zudem twitterte er: „Ich verkaufe fast allen physischen Besitz“ – und dass er kein Haus mehr besitzen werde. Die Aktie von Tesla stürzte daraufhin mit zehn Prozent ins Minus.

Wie berechnend der Unternehmer bei seinen Äußerungen auf Twitter vorgeht, bleibt offen. Denn zu seinen Twitter-Eskapaden zählt auch die Prognose, dass wir ab 2050 eher aufgrund einer schrumpfenden Bevölkerung und deren zunehmender Vergreisung massive Probleme bekommen werden. Ein anderes Mal prophezeite er das Ende der Menschheit durch eine gewaltsame Maschinendiktatur.