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Gas statt Bremse: Fahrfehler schuld an Toyota-Unfällen

(c) Reuters
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Laut US-Studie beschleunigten die Autos nicht von selbst. Knapp neun Millionen Fahrzeuge musste der japanische Hersteller Toyota in den vergangenen eineinhalb Jahren weltweit in die Werkstätten beordern.

Wien (jaz). Es war die größte Rückrufaktion in der Geschichte der Autoindustrie. Knapp neun Millionen Fahrzeuge musste der japanische Hersteller Toyota in den vergangenen eineinhalb Jahren weltweit in die Werkstätten beordern, weil Fahrer über stecken gebliebene Gaspedale und von selbst beschleunigende Autos klagten. Mit 16,4Mio. Dollar (12,9Mio. Euro) verhängte das US-Verkehrsministerium im April dann auch die höchste je vergebene Strafe gegen einen Autokonzern.

Am schlimmsten dürfte für Toyota aber der negative Effekt auf das Image sein. Mehr als 3000 Unfälle wurden dem Hersteller angelastet, darunter 75 tödliche Unfälle mit insgesamt 93 Toten. Über 100 Klagen wurden von Hinterbliebenen und verärgerten Toyota-Besitzern in den USA eingebracht. In Summe dürften die Kosten für die Japaner deutlich mehr als eine Mrd. Euro betragen.

Dies, obwohl Toyota nur zum Teil Schuld an den Problemen trifft. So kommt eine Untersuchung der US-Verkehrsbehörde nun zu dem Ergebnis, dass in den meisten Fällen Fehler der Fahrer Grund für einen Unfall waren, wie das „Wall Street Journal“ berichtet. Die Fahrer haben demnach in ihrer Panik Gas und Bremse verwechselt und anstatt zu bremsen das Auto weiter beschleunigt.

Die Untersuchung stellt zwar die von Toyota selbst zugegebenen Probleme nicht in Abrede, wonach sich Gaspedale in den Fußmatten verhängen konnten oder sich zu langsam in die Ausgangsstellung zurückbewegten. Diese beiden Probleme sollten aber zu keinen Unfällen führen, da der Fahrer das Auto durch die Betätigung der Bremse anhalten könnte.

Toyota-Fahrer berichteten aber mehrmals, dass die Bremse nicht funktioniert habe und das Auto stattdessen weiter beschleunigte. Allgemein wurde daher ein Defekt in der elektronischen Übertragung von Gas- und Bremssignal vermutet. Ein solcher Defekt ließ sich bei der Untersuchung der Unfallautos jedoch nicht feststellen. Vielmehr zeichneten die Systeme in den Autos auf, dass die Drosselklappen voll geöffnet und die Bremsen nicht betätigt gewesen seien.

 

Ähnlicher Fall bei Audi

Die Erkenntnisse der Behörde – die offiziell nicht veröffentlicht und auch noch nicht kommentiert wurden – decken sich dabei mit einem ähnlichen Fall aus dem Jahr 1989. Damals behaupteten ebenfalls in den USA Audi-Fahrer, dass ihre Autos plötzlich von selbst beschleunigt hätten. Bei der Untersuchung der Unfallautos stellte sich ebenfalls menschliches Versagen als Hauptursache heraus.

Bei Toyota gibt man sich trotz der für das Unternehmen positiven Erkenntnisse zurückhaltend. Eine öffentliche Schuldzuweisung an die eigenen Kunden wird vermieden, um das angeschlagene Image nicht weiter zu schädigen. An der Börse sieht man die Sache indes weit euphorischer. Mit einem Zuwachs von vier Prozent legten die Toyota-Papiere in Tokio das zweitbeste Tagesergebnis seit Jahresanfang auf das Börsenparkett.

Die Anleger dürften vor allem auf geringere Kosten durch die Sammelklagen in den USA hoffen. Von Vertretern der Kläger werden die neuen Erkenntnisse aber bereits zurückgewiesen. „Toyota selbst hat mehrfach erklärt, dass die Datenaufzeichnung in den Fahrzeugen nicht verlässlich ist“, so der Rechtsanwalt Tab Turner. Wie die Gerichte schlussendlich entscheiden werden, ist daher ungewiss. Die öffentliche Stimmung in den USA war bisher jedoch eher gegen Toyota eingestellt. So empfahl sogar US-Verkehrsminister Ray LaHood, man solle Toyotas „zur Sicherheit“ stehen lassen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.07.2010)