Impuls: Europas größtes Tanzfestival

Impuls Europas groesstes Tanzfestival
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Dem Tabuthema Aids ist ein Schwerpunkt des heurigen "Impulstanz" gewidmet: Die Südafrikanerin Robyn Orlin berührt, Antony Rizzi persifliert Ängste. Am Donnerstag wird das Festival im Museumsquartier Hof eröffnet.

Schwere Kost gleich zu Beginn: „Wir haben die Produktion von Robyn Orlin zum Thema Aids wieder aufgenommen – sie war einer der berührendsten Momente beim Impulstanz 2002“, findet Karl Regensburger, der auch heuer wieder emsig und mit Liebe zum Detail ein Festival auf die Beine gestellt hat, das Wien einen Monat lang zum Mittelpunkt der internationalen Tanzszene macht. Tabubrüche inklusive. „In Afrika wird Aids noch viel mehr tabuisiert als bei uns. Da hat es Staatspräsidenten gegeben, die gemeint haben, es würde reichen, sich zu duschen, damit man sich nicht anstecken kann.“ Solch gefährliche Ignoranz treibt Künstler wie Orlin auf die Barrikaden. Als weiße Südafrikanerin hat sie sich auch in Sachen Apartheid engagiert, hat sich mit ihren provokanten Stücken einen Namen gemacht, wurde sogar von Brigitte Lefèvre an die Pariser Oper eingeladen – „die ist eine Riesennummer, macht aber dann auch kleine, feine Stücke, in denen sie sich des brutalen Alltags annimmt“.

Über Aids, das Schweigen, die Opfer

In „We must eat our suckers with the wrappers on“ („Wir müssen unsere Lutscher mit der Verpackung essen“) verbeißt sich Orlin den ihr eigenen Humor, auch wenn die Männer in Frauenkleidern mit den überroten Lippen und den Lollies durchaus komisch aussehen – es geht um Aids, um den Tod, der wahllos dahinrafft, um das soziale Tabu, und es geht um das Schweigen, das alles nur noch schlimmer macht (20.–22.7., 21h, Museumsquartier, Halle E).

Beim zweiten Aids-Abend (24.7., 19.30h, Odeon) darf man von Startänzer Antony Rizzi und Performance-Künstlerin Penny Arcade einen „fast lustvollen Umgang mit der Thematik und den Ängsten der Gesellschaft“ erwarten, wie Regensburger meint. Kombiniert wird deren tiefsinnige Persiflage mit der Uraufführung von Olga Neuwirths „Hommage à Klaus Nomi“, eines der ersten prominenten Aids-Opfer, durch das RSO und Countertenor Jochen Kowalski.

Weit über hundert Produktionen schaut sich Karl Regensburger an, um zu „spüren, was aktuell ist“. Mit 43 Produktionen, darunter sieben Uraufführungen, und 180 Workshops ist das Festival das größte für zeitgenössischen Tanz in Europa.Viel Raum für interessante Begegnungen: Der österreichische Choreograf Chris Haring arbeitet mit den Ballets de Monte Carlo zusammen (19.–22.7., 21h, Odeon); Benoît Lachambre mit Louise Lecavalier (23., 25.7., 21h, MQ, Halle G), Anne Juren mit Annie Dorsen (17., 19.7., 21h, Schauspielhaus). Anne Teresa De Keersmaeker widmet sich der Musik des Mittelalters (28.–31.7., 19.30h, Odeon), Jérôme Bel dem Tänzer Cédric Andrieux, Mathilde Monnier der legendären Anna Pawlowa (31.7., 1.8., 21h, Akademietheater). Klassisch trifft zeitgenössisch – zwei Welten? „Wien ist da ein bisschen retro“, lacht Regensburger. Mit Manuel Legris als Ballettchef an der Oper würde er daher „gerne eine enge Kooperation eingehen“, denn: „Die Zeichen stehen günstig.“

Eröffnung: 15.7., 21.15h, Museumsquartier Hof (Eintritt frei);Details zum Festival-Programm: www.impulstanz.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.07.2010)

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