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Designer fordern neuen Mode-Rhythmus

The outbreak of the coronavirus disease (COVID-19) in London
The outbreak of the coronavirus disease (COVID-19) in London(c) REUTERS (John Sibley)
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In einem offenen Brief sprechen sich Designer und Unternehmer für einen fundamentalen Wandel in der Modeindustrie aus. Kleidung soll saisonal angeboten werden, Abverkaufe sollen später starten.

Veränderung als Chance: Einen konsequenten Wandel des Fashion-Week-Kalenders fordern eine Reihe von Designern, CEOs und Führungskräfte im Einzelhandel in einem offenen Brief, wie die "New York Times" berichtet.

„Wir sind uns darüber einig, dass das derzeitige Umfeld, wenngleich es auch eine Herausforderung ist, Gelegenheit für eine grundlegende und willkommene Veränderung bietet. Die unsere Unternehmen vereinfacht, sie umwelt- und sozialverträglicher macht und sich letztendlich auch mehr an die Bedürfnisse der Kunden ausrichtet“, heißt es darin zu Beginn.

Designer Dries Van Noten und Andrew Keith von dem Luxus-Modehändler Lane Crawford hatten die Idee zum „Open Letter to the Fashion Industrie“. In diesem erklären aber auch andere Designer wie etwa Tory Burch, Erdem Moraliglu und Kaufhäuser wie Nordstrom und Bergdorf Goodman, dass sie die Absicht bzw. die Idee haben, den saisonalen Einkaufskalender zu korrigieren.

Bikinis im Sommer, Mäntel im Winter

Was bedeutet das konkret? Dass Bikinis nicht im November und Wollmäntel nicht im Jänner verkauft werden, sondern dann, wenn sie auch getragen werden. Und dass es erst dann Rabatt auf die Kleidung geben wird, wenn dieser für die Träger weniger relevant ist. Also nicht schon vor oder gleich nach Weihnachten mit dem Abverkauf begonnen wird, beispielsweise.

„Die Herbstmode wird sehr spät kommen", erklärt Dries Van Noten. „Wahrscheinlich erst im September statt im Juli. Und wir werden das dann im November abverkaufen? Wäre es nicht besser, damit bis zum neuen Jahr zu warten? Und dann den Mut zu haben, den Rhythmus beizubehalten, den wir jetzt festlegen?"

Damit würde auch einhergehen, dass die Resort- und Cruise-Kollektionen wieder an Wichtigkeit verlieren werden und das Augenmerk auf die Hauptkollektion gelegt wird. 40 Mal wurde der Brief schon unterschrieben, online können noch mehr Modeinsider unterzeichnen.

Die inoffizielle Gruppe aus Designern und CEOs erklärte aber auch, dass es sich nur um eine Idee handle. Jedes Unternehmen müsse selbst entscheiden, ob man der Idee Beachtung schenke. Das liegt wohl auch daran, dass es in vielen Ländern illegal ist, gemeinsam einen Abverkaufs-Termin festzulegen.

Änderungen in der Modeindustrie werden erst durch eine kritische Masse oder aufgrund von Konsumentenwünsche einhergehen. Angeblich wollen sich auch Carolina Herrera, Paco Rabanne und Proenza Schouler anschließen. Die Big Player, darunter die Luxuskonglomerate LVMH und Kering, aber auch Zara und H&M sind etwa noch nicht dabei.

"Gemeinsam hoffen wir, dass diese Schritte es unserer Branche ermöglichen, mehr Verantwortung für die Auswirkungen auf unsere Kunden, den Planeten und die Modegemeinschaft zu übernehmen und die Magie und Kreativität zurückzubringen, die Mode zu einem so wichtigen Teil unserer Welt gemacht hat“, heißt es zum Abschluss.

>>> „The New York Times“ 

>>> Offener Brief an die Modeindustrie

(chrile)