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Urlaub dahoam

Es gibt Stadtmenschen und Landmenschen. Ich gehöre zum Grüppchen dazwischen.

Der Mensch lässt sich, also ganz grob gesagt, in zwei Kategorien einteilen. Da gibt es die Stadtmenschen, die sich ein Leben ohne morgendlichen Cappuccino vom Barista, spontanen Theater- und Konzertbesuche und das großstädtische Gewusel gar nicht vorstellen wollen. Und es gibt die Landmenschen, die einander gegenseitig gerne auf der Straße grüßen, ihren Garten pflegen und die ländliche Ruhe genießen. Das ist natürlich arg verkürzt und zugespitzt. Denn genau genommen gibt es noch mindestens ein unzuordenbares Grüppchen dazwischen. Es sind die Menschen, die sich gerne das „Beste aus beiden Welten“ aussuchen – und das ausnahmsweise nicht politisch meinen.

Und da zähle ich mich dazu. Ich lebe gerne in der Stadt und verlasse sie ebenso gerne wieder. Zuletzt ist das angesichts der Ausgangsbeschränkungen und der zelebrierten Ausladungspolitik so mancher Landes- und Gemeindepolitiker aber gar nicht so leicht gewesen. Acht Wochen habe ich ununterbrochen in der Hauptstadt verbracht. Das lässt sich zwar gut aushalten. Aber beim Sporteln im Wohnzimmer, beim Spazieren durch das von Beton dominierte Grätzel und beim Laufen am gut bevölkerten Donaukanal hat sich in meinem Stadt-Land-Zuneigungsverhältnis doch etwas verschoben. Zulasten der engen Stadt, zugunsten des weiten Landes.

Bei den ersten Lockerungen hat es mich also hinaus gezogen. Es sei nun, um doch noch politisch zu werden, der beste Zeitpunkt, die Heimat zu erkunden. Mit diesen Worten haben Kanzler Sebastian Kurz und Tourismusministerin Elisabeth Köstinger für Urlaub „dahoam“ geworben. Ich habe das sehr wörtlich genommen – und bin vorübergehend im Hotel Mama im Bezirk Steyr-Land abgestiegen. Dort habe ich Erholung in einer Landschaft aus bunten Wiesen und stechend gelben Rapsfeldern gesucht, außerdem menschenleere Waldwege beschritten und Berge bewandert.

Blick vom Kleinen Schönberg auf den Traunsee
Blick vom Kleinen Schönberg auf den TraunseePrivat

Eine besonders schöne Route ist im nahen Salzkammergut zu finden. Sie führt auf den Kleinen Schönberg (895 Meter) nahe Gmunden. Mit Blick auf Traunstein und -see geht es vom (rasch gefüllten) Parkplatz am Ende der Traunsteinstraße los. Zuerst spaziert man durch mehrere Felstunnel, dann durch einen steilen Wald und schlussendlich kraxelt man entlang eines Stahlseiles zum Gipfel. Insgesamt ist man zwischen drei und dreieinhalb Stunden unterwegs. Der Ausblick dabei ist phänomenal gewesen. Da werden sich wohl Stadt-, Land- und bestimmt auch die Menschen, die sich nicht so einfach kategorisieren lassen, einig sein.

E-Mails an: julia.neuhauser@diepresse.com