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Israel

General in diplomatischer Mission

Gabi Ashkenasi.
Gabi Ashkenasi.(c) JACK GUEZ / AFP / picturedesk.com
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Ex-Armeechef Gabi Ashkenasi folgt als Außenminister einer großen Tradition.

Wien/Jerusalem. Seinen diplomatischen Einstand gab Gabi Ashkenasi bereits vor der Angelobung als Außenminister in der Nacht auf Freitag in der Knesset. Am Mittwoch war er mit Israels wichtigstem Partner zum Meinungsaustausch und der ersten Tuchfühlung zusammengekommen. Im Gespräch mit US-Außenminister Mike Pompeo standen die Coronakrise, der Kalte Krieg mit China, der Iran-Konflikt und der Nahost-Frieden auf der Agenda. Pompeo ließ durchblicken, dass die Annexion der jüdischen Siedlungen im Westjordanlands und des Jordantals derzeit keineswegs Priorität hat. Nichts überstürzen, lautet sein Signal an Israel. Washington schaltete das grüne Licht zurück auf Gelb.

Das trifft sich mit der Überzeugung des 66-jährigen Neo-Diplomaten, der fast 40 Jahre in der Armee diente – als Chef von Spezialeinheiten und zuletzt als Generalstabschef. Als solcher war er Vorgänger seines Parteifreunds Benny Gantz, des neuen Verteidigungsministers, der Ashkenasi in die Politik holte – und der ihm in 18 Monaten die Agenden des Verteidigungsministers übergibt, wenn er selbst gemäß der Machtrotation mit Benjamin Netanjahu zum Premier avanciert. Wobei Netanjahu ohnehin Chefdiplomat ist – ob mit oder ohne Amt.

Gantz wie Ashkenasi stehen einer Annexion des Westjordanlands mit Skepsis gegenüber. Eine Kontrolle über das strategisch wichtige Jordantal halten sie – wie die Golanhöhen – indes für unerlässlich. Gantz überließ Ashkenasi das prestigeträchtige Ressort, weil die Diplomatie nicht sein Metier ist – und sein Englisch nicht flüssig genug.

Der Sohn eines bulgarischen Holocaust-Überlebenden und einer syrischstämmigen Mutter, der – wie in Israel üblich – bei seinem Spitznamen genannt wird, schloss sich erst im Vorjahr dem Blau-Weiß-Bündnis des Polit-Newcomers Gantz an, zusammen mit Jair Lapid und Moshe Jalon. Letztere haben sich schon wieder abgespaltet.

Dass Generäle und Armeechefs nach aktivem Dienst in die Politik wechseln, hat in Israel Tradition: Moshe Dayan, Jitzhak Rabin, Ehud Barak oder Jalon haben es vorexerziert. Mit Netanjahu kam Ashkenasi als junger Soldat schon früh in Kontakt – mit Joni Netanjahu, dem älteren Bruder, der als Kommandeur der Befreiungsaktion 1976 in Entebbe in Uganda als einziger Israeli ums Leben kam.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.05.2020)