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Geldpolitik

USA erteilen Negativzinsen Absage

Die Welt hört zu, wenn Fed-Chef Jerome Powell spricht.
Die Welt hört zu, wenn Fed-Chef Jerome Powell spricht.(c) REUTERS (Kevin Lamarque)
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Federal Reserve-Chef Jerome Powell verlässt sich weiterhin auf seinen geldpolitischen Werkzeugkasten. Es sei nicht eindeutig, ob Negativzinsen tatsächlich wirken.

Wien. Donald Trump kann es nicht lassen: Zum wiederholten Male versuchte sich der US-Präsident am Mittwoch in die Geldpolitik der amerikanischen Notenbank Fed einzumischen. Schon seit seinem Amtsantritt fordert Trump niedrige Zinsen von der Zentralbank. Der von ihm angezettelte Handelskonflikt mit China und die Wirtschaftskrise in Folge der Corona-pandemie ließen den Notenbankern schließlich auch keine andere Wahl. Doch nun geht das Staatsoberhaupt weiter: Es will Negativzinsen für die USA.

Unter den US-Notenbankern scheint dieses geldpolitische Instrumentarium bisher aber keine Option zu sein. Und daran dürfte sich auch in naher Zukunft nichts ändern. „Das ist nicht etwas, was wir uns anschauen“, sagte Fed-Chef Jerome Powell am Mittwoch bei einer Online-Veranstaltung des Peterson Institute for International Economics. Schon vergangenen Oktober hätten alle Mitglieder des Offenmarktauschusses – „und das ist nicht oft der Fall“, so Powell – gesagt, Negativzinsen nicht für ein attraktives Werkzeug zu halten.

Aus den Protokollen der Zinssitzung im Herbst geht hervor, dass damals über die möglichen nachteiligen Nebenwirkungen einer solchen Geldpolitik diskutiert wurde. Aufgrund der Unterschiede zwischen den Finanzsystemen kam man letztendlich überein: Die Erfahrungen aus dem Ausland sind nicht unbedingt auf die USA übertragbar.

„Wir finden, dass unser Werkzeugkasten funktioniert und wir haben auch die Beweise dafür“, betonte Powell am Mittwoch. Die US-Notenbank hat ein billionenschweres Kaufprogramm mit zahlreichen Maßnahmen aufgelegt, auch ist sie mit ihrer Forward Guidance zufrieden. Also mit der Art und Weise, wie sie sich öffentlich zu ihren künftigen geldpolitischen Absichten äußert. Das gibt den Finanzmärkten die Möglichkeit, sich auf die kommenden Wochen und Monate einzustellen.

 

Banken unter Druck

In der Schweiz oder auch in Japan gibt es bereits seit Langem Negativzinsen. Ebenso im Euroraum, wo die Banken bei der Europäischen Zentralbank Strafzinsen bezahlen. Doch führte die EZB im Vorjahr eine Staffelung mit Freibeträgen ein, um die Kosten der Institute nicht noch mehr in die Höhe zu treiben.

Die nachteiligen Effekte auf die Banken, sind es auch, die Powell am Mittwoch einmal mehr betonte. Negativzinsen bringen die Institute unter Ertragsdruck – nicht zuletzt deshalb standen die amerikanischen Banken in den vergangenen Jahren auch weit besser da.

„Die wissenschaftlichen Beweise von Negativzinsen sind nicht eindeutig. Es gibt Studien, die zeigen, dass es funktioniert. Aber es gibt auch viele, die das bezweifeln“, sagte Powell.  Pikanterweise veröffentlichte die EZB erst diese Woche eine Studie über die ökonomischen Auswirkungen ihrer Negativzinspolitik. Und darin zeigt sie sich durchaus zufrieden. Demnach konnten die Kosten der an die Realwirtschaft vergebenen Kredite gesenkt und deren Volumen erhöht werden. Zinssenkungen im negativen Bereich bezeichneten die Autoren wirksamer im Vergleich zu Zinssenkungen im positiven Bereich. Erklärt wird das unter anderem mit der verstärkten Erwartung der Investoren, weitere Senkungen zu sehen.

In den USA haben die Investoren zuletzt jedenfalls auf Negativzinsen spekuliert, wie man aus Kursen von Zinsoptionen ablesen konnte.  „In der Zukunft kann man auch spekulieren“, sagt  Antje Praefcke von der Commerzbank zur „Presse“. Negativzinsen seien auf der Fed-Liste der möglichen Maßnahmen dennoch „weit unten“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.05.2020)