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Bundestheater

Falscher Doktortitel? Art-for-Art-Chef Axel Spörl tritt nach zehn Tagen im Amt zurück

Nachdem Ungereimtheiten in seinem Lebenslauf bekannt wurden, ist der neue Chef der Burgtheater-Tochtergesellschaft kurz nach seinem Amtsantritt zurückgetreten. Seine Dissertation findet er selbst nicht.

Ganze zehn Tage stand Axel Spörl als Geschäftsführer an der Spitze der Art for Art Theaterservice GmbH: Der laut Lebenslauf 49-Jährige reichte am Donnerstag seinen Rücktritt ein - den die zuständige Bundestheater-Holding mit sofortiger Wirkung annahm. Hintergrund sind Ungereimtheiten über Lebenslauf und Bildungsstand des seit 4. Mai amtierenden Spörl, die zuletzt aufgetaucht sind.

Auf die Ungereimtheiten aufmerksam gemacht hatte der als „Plagiatsjäger" bekannte Stefan Weber, der sich mit seinen Zweifeln an den „Kurier“ wandte, der eine Recherche startete. Demnach blieb Spörl den Beweis für die Existenz seiner Dissertation, die er 1996 in Würzburg eingereicht haben will, auch nach mehrmaliger Anfrage schuldig. "Der angegebene Doktorvater kennt weder Herrn Spörl noch sein Thema", heißt es in einer der APA vorliegenden Stellungnahme von Weber.

Auch Pilotenschein und Maturazeugnis „möglicherweise gefälscht"

Spörl hatte angegeben, eine Dissertation mit dem Titel „Mathematische Analyse axiomatischer Phänomene in der klassischen Harmonielehre und Kompositionstechnik“ geschrieben und diese an der Universität Würzburg, an der Fakultät für Mathematik und Informatik, verteidigt zu haben. Auf Anfrage des „Kurier“ habe er sich kooperativ gezeigt und angegeben, dass er ein Exemplar der Dissertation - die in keiner Universitätsbibliothek zu finden war - auf dem Dachboden seiner Schwiegereltern habe. Nachreichen konnte er sie aber auch auf Anfrage nicht.

Die Promotionsurkunde, mit der sich Spörl für den Job als Art-for-Art-Geschäftsführer bewarb, sei laut Weber "höchstwahrscheinlich gefälscht" - und nicht der einzige Verdachtsmoment, der gegen Spörl im Raum stehe. Es gebe demnach auch den Vorwurf von Titelbetrug durch das Führen des Grades "DI" (Diplomingenieur) und durch Führen des Grades "Executive MBA". Hinzu kämen drei weitere Verdachtsfälle von Urkundenfälschung: Die des Matrikenauszugs, des Pilotenscheins und des Maturazeugnisses. Es sei auch auszuschließen, dass ein professionell agierendes Personalbüro eine Empfehlung für den Kandidaten Spörl abgegeben habe, so Weber unter Verweis auf einen offensichtlichen Rechtschreibfehler im Lebenslauf des Beschuldigten.

Lunacek lobte „fachliche wie soziale Kompetenz"

Im Rahmen des von einem Personalberater begleiteten Auswahlverfahrens seien die von den Bewerberinnen und Bewerbern angegebenen Ausbildungswege sehr wohl verifiziert und Referenzen eingeholt und geprüft worden, hieß es indes vonseiten der Bundestheater-Holding: "Weder der Experten-Jury noch dem Bundesministerium für Kunst, Kultur, öffentlichen Dienst und Sport lagen bei ihrer Entscheidung für Herrn Spörl irgendwelche Hinweise auf Ungereimtheiten oder falsche Angaben durch das Personalbüro vor."

Spörl - bis Ende 2019 Geschäftsführer des Paketdienstes GLS - hatte sich gegen 36 Mitbewerberinnen und Mitbewerber durchgesetzt. Er habe "durch seine Persönlichkeit und fachliche wie soziale Kompetenz" beeindruckt, meinte damals Kulturstaatssekretärin Ulrike Lunacek (Grüne). "Spörls eigener Anspruch an hohe Qualität und seine Fertigkeiten aus der Logistik sind gute Voraussetzungen, dieses großartige Unternehmen erfolgreich weiterzuentwickeln", hatte sich auch Bundestheater-Holding-Geschäftsführer Christian Kircher angetan gezeigt.

Nun will man in den kommenden Tagen bekannt geben, wie die weiteren Schritte zur Besetzung der nun wieder offenen Stelle des Art-for-Art-Geschäftsführers aussehen. Dazu werde man sich mit dem Ministerium abstimmen.

(APA/Red.)