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Coronavirus

Kulturveranstaltungen ab 29. Mai wieder möglich

Nur Veranstaltungen mit Sitzplatzvergabe können stattfinden. (Archivbild)Die Presse/Clemens Fabry
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Schrittweise und unter Auflagen soll der Kulturbetrieb wieder hochgefahren werden: Veranstaltungen sollen erlaubt werden - solange es Sitzplätze gibt. Auch Kinos sperren wieder auf. Das hat auch Auswirkungen auf die Festspiele in Salzburg und Bregenz.

Gesundheitsminister Rudolf Anschober hätte am Freitagvormittag eigentlich bei einer Pressekonferenz eine Analyse zu den Entwicklungen auf Österreichs Intensivstationen abgeben wollen. Eigentlich. Eigentlich hätte auch Ulrike Lunacek am Freitag weitere Schritte des Wiederhochfahrens des Kunst- und Kulturbetriebs im Land ankündigen sollen. Doch nach Tagen heftiger Kritik an ihrem Handeln als grüne Staatssekretärin für Kunst und Kultur warf sie stattdessen das Handtuch. Anschober sagte also seine Pressekonferenz ab. Und rückte zusammen mit Vizekanzler - und Kulturminister - Werner Kogler zu Mittag aus, um statt Lunacek die Kulturthematik zu behandeln.

Lunaceks Rücktritt - eine Entscheidung, die man sich Kogler zufolge nicht leicht gemacht habe - schwebte über der Pressekonferenz im Wiener Bundeskanzleramt, dem Grünen-Chef war der Ernst anzusehen. „Wir sollten immer das Ganze im Blick haben, immer den ganzen Menschen“, so Kogler. Er betonte Lunaceks Größe als Europapolitikerin und als Leitfigur der Grünen; dass sie im Zuge der türkis-grünen Regierungsbildung im ihr inhaltlich eher fernen Kunst- und Kulturstaatssekretariat gelandet sei, liege in seiner Verantwortung: „Das war möglicherweise eine Entscheidung, die auf anderen Qualitäten abgestellt war“, so Kogler „Bei allen Auf und Abs“, sagte Kogler, „die wir bei den Grünen miterlebt haben, hat sie immer großartige Arbeit geleistet.“ Und auch jetzt habe sie im Sinne der Grünen, im Sinne der Regierung gehandelt.

Die Nachfolge Lunaceks werde Anfang kommender Woche fixiert, sagte Kogler. Dem sollen Beratungen im Bundesvorstand der Grünen sowie die Bestätigung des Vorschlags im erweiterten grünen Bundesvorstand vorausgehen. Fest steht bereits, dass die Grünen wieder eine Frau in die Funktion entsenden werden.

Bregenz abgesagt

Doch wie geht es für die von der Krise Getroffenen weiter? Kunst- und Kulturbetriebe waren im März unter den ersten Sparten gewesen, die von den Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus betroffen gewesen waren. (Groß-)Veranstaltungen und Festivals wurden abgesagt oder verschoben, Kinos geschlossen. Der Probebetrieb lag still, ebenso die Filmproduktion im Land.

Museen und Galerien durften zwar mittlerweile wieder öffnen, aber: Eine offizielle Exit-Strategie gab es für die Branche bis dato keine. Für die großen Festspiele in Salzburg und Bregenz war dann noch von Lunacek eine Lösung für Mitte Mai angekündigt worden; die Bregenzer Festspiele wurden am Freitag abgesagt.

Salzburg: "Modifizierte Festspiele scheinen möglich“

In Salzburg will man indes ein abgespecktes Programm zur Aufführung bringen: Sicher sei, dass es im 100. Jahr der Festspiele „Jedermann“-Aufführungen geben werde, sagte Landeshauptmann Wilfried Haslauer (ÖVP) am Freitagnachmittag. "Modifizierte Festspiele scheinen möglich“, heißt es in einer Aussendung der Salzburger Festspiele. Was genau möglich sein werde, das könne erst nach Vorliegen der Verordnung ausgelotet werden. "Es muss insbesondere geklärt werden, unter welchen Bedingungen szenische Proben und Auftritte von Orchestern und Chören ermöglicht werden", informierte das Direktorium der Salzburger Festspiele, dem Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler, Intendant Markus Hinterhäuser und der Kaufmännischer Direktor Lukas Crepaz angehören. Das neu zusammengestellte Programm für diesen Sommer soll im Juni veröffentlicht werden.

Schrittweise Öffnungen

Was nun feststeht: Es soll zu weiteren Öffnungen von Veranstaltungen kommen. Kogler und Anschober beschrieben dahingehend ein „grobes Konzept“: Das Gesundheitsministerium will in einem Erlass am 25. Mai regeln, unter welchen Bedingungen Veranstaltungen wieder stattfinden können. Angedacht ist ein Öffnen von Indoor- und Outdoor-Veranstaltungen am 29. Mai für bis zu 100 Personen, am 1. Juli für bis 250 Personen sowie für Kinos, am 1. August für bis zu 500 Personen. Diese Veranstaltungen brauchen Sitzplätze, da dadurch der Mindestabstand von einem Meter besser gewährleistet werden kann, zudem soll ein „Coronabeauftragter“ regeln, dass alle Hygiene- und sonstigen Sicherheitsmaßnahmen in Bezug auf das Virus bedacht wurden.

Ab 1. August sollen auch Veranstaltungen mit bis zu 1000 Besuchern erlaubt werden, wenn ein spezielles Sicherheitskonzept vorgelegt wird. Dies sei angelehnt an das Vorgehen im Sportbereich. Welche Behörde genau zuständig ist, wird noch überlegt - sie soll jedoch auf Landes- oder Bezirksebene angesiedelt sein. Definiert werde das in der Verordnung, so Anschober. Fix sei jedoch: „Es wird nicht der Bürgermeister sein.“ 

Keine Veranstaltungen mit Stehpublikum

Veranstaltungen mit einem Stehpublikum dürften Anschober zufolge wohl länger nicht möglich sein. Als Beispiel nannte er etwa Konzerte auf der Burg Clam, wo teils bis zu 10.000 Menschen vor Ort sind: „Da wird es schwierig, konsequent den Ein-Meter-Abstand einzuhalten.“ Selbes gelte für die Nachtgastronomie, also etwa Discos.

Dem Erlass vorausgehen soll eine „Woche des Dialogs“ mit Kulturschaffenden und -politikern. Kogler und Anschober betonten, dass man bewusst auch auf die Kreativität der Veranstalter setzen wolle, da diese ihre Veranstaltungsorte und -infrastruktur am besten kennen würden. Generell setze man hier - wie im Sport - auf die Prämisse: mehr Freiwilligkeit, mehr Eigenverantwortung.

Noch kein Durchbruch bei weiterer finanzieller Unterstützung

Weitere Finanzhilfen für den Kunst- und Kulturbetrieb und Maßnahmen, die etwa Filmproduktionen und Probenbetrieb betreffen, teilten die Minister keine mit. Anschober sagte, man arbeite derzeit Präventionskonzepte für diese Bereiche aus - etwa, wie Schulungen im Hygienebereich aussehen sollen, welche Verhaltensregeln man wünsche und inwiefern es Vorgaben für die Infrastruktur geben könne.

Erst auf Nachfrage nahm Kogler Bezug auf die vielfach ausgesprochene Forderung nach besserer finanzieller Unterstützung der Kunstschaffenden durch die öffentliche Hand. Er stellte weitere Hilfen für Künstler „in prekären Arbeitsverhältnissen“ in Aussicht, allen voran in der freien Szene. Hier würden viele Menschen nicht für derzeit mögliche Förderungen ansuchen können.

„Wir trachten danach, eine eigene Unterstützung aufzulegen. Der Künstlersozialversicherungsfonds ist zu wenig. Aber auch dazu gibt es verschiedene Vorstellungen, und wir machen uns gerade an die Konzepte“, so der Vizekanzler. Wie schon von Lunacek in ihrer Abschiedsbotschaft angedeutet: Einen Durchbruch scheint es hier noch nicht gegeben zu haben.