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Versorgungsketten

Der optimale Weg ins Supermarktregal

Wie viel wird wann und wo gebraucht? Das wird an der Fh Wiener Neustadt mit künstlicher Intelligenz vorhergesagt.
Wie viel wird wann und wo gebraucht? Das wird an der Fh Wiener Neustadt mit künstlicher Intelligenz vorhergesagt.Nathália Rosa / Unsplash
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Um den langen Weg der Waren vom Produzenten bis zum Kunden reibungslos und effizient zu gestalten, braucht es komplexe Planung. Die FH Wiener Neustadt erprobt dafür den Einsatz künstlicher Intelligenz.

Das T-Shirt in der Boutique, das Duschgel in der Drogerie, die Paradeiser im Supermarkt – hinter Regalen voller frischer oder trendiger Produkte verbirgt sich eine vielteilige Supply Chain, zu Deutsch Liefer- oder Versorgungskette. „Ein gutes Supply-Chain-Management soll dem Kunden Waren zum richtigen Zeitpunkt, am richtigen Ort, in der richtigen Qualität, in der richtigen Menge und zum richtigen Preis anbieten können“, erklärt Sandra Ribits-Perner. Sie ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der FH Wiener Neustadt, wo sie am Fachbereich Industrial Management unterrichtet.

Vom Einkauf der Rohstoffe über die Planung der Produktion, die Lieferung der Waren bis zum Einschlichten in die Regale: Im Supply-Chain-Management werden komplexe Prozesse koordiniert und laufend optimiert. Eine grundlegende Frage dabei lautet stets: Wie viel wird wann und wo gebraucht? Manche Branchen planen ein halbes Jahr im Voraus. Andere müssen tageweise reagieren. Für alle aber gilt: „Welche Produkte in Zukunft zu welcher Zeit an welchem Ort gekauft werden, ist immer eine Schätzung.“

Weniger Umsatz bei Regen

Um diese Prognosen zu präzisieren, nützt das Supply-Chain-Management Programme, die mittels Algorithmen die Zukunft berechnen sollen. Neuere Software greift dabei nicht allein auf Mathematik und Statistik zurück. Auch die Meteorologie wird miteinbezogen. Ist beispielsweise Regen prognostiziert, sind weniger Kunden zu erwarten – und es werden entsprechend weniger Produkte benötigt. Liegt das fragliche Geschäft aber in einem überdachten Einkaufszentrum, kann Schlechtwetter die Kundenströme intensivieren: Kauflustige shoppen lieber im Trockenen, anstatt sich unter freiem Himmel zwischen Geschäftslokalen mit Regenschirmen abzumühen. Auch das berechnet der Algorithmus mit ein.

Für die aktuelle Forschung zum Supply-Chain-Management ist Derartiges aber schon wieder ein alter Hut. Hier wird derzeit der Einsatz von künstlicher Intelligenz getestet. Prozesse wie Rechnungslegung oder das Prüfen und Genehmigen von Einkaufsaufträgen könnten schon bald der Computer übernehmen. Langfristig sollen Abläufe in Produktion und Logistik durch Roboter und künstliche Intelligenz nahezu vollständig automatisiert bzw. digitalisiert werden. Eine solche Umstellung bedeutet allerdings enorme Kosten, die sich in naher Zukunft wohl nur große Unternehmen leisten können. Im von Klein- und Mittelunternehmen geprägten Österreich sind wir davon noch weit entfernt, meint die Expertin.

Auch für Verwaltung der Lieferketten gilt im Moment: Die Covid-19-Pandemie ändert vieles. „Man muss sich neu orientieren, neu planen, neu denken“, bestätigt Ribits-Perner. Nicht nur internationale Versorgungsketten werden zum Problem, man denke etwa an Schutzmasken, auch die Prognosen sind schwierig. Welche Produkte werden sich die Menschen in der nächsten Zeit leisten können? Wie viel werden sie kaufen? Das können auch die Simulationsmodelle nicht genau beantworten. Sandra Ribits-Perner ist trotz düsterer Wirtschaftsprognosen zumindest teilweise optimistisch. Sie sieht die Krise, gerade auch für Klein- und Mittelunternehmen, als Chance auf eine rasche und umfassende Digitalisierung.