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Militär

NATO startet wieder mit Großmanövern

Ankunft amerikanischer Panzereinheiten in Bremerhaven im Februar.APA/AFP/PATRIK STOLLARZ
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Die monatelange Unterbrechung einer Übungsserie in Europa wegen der Coronapandemie nähert sich ihrem Ende. Anfang Juni üben wieder Tausende Nato-Soldaten in Polen.

Monatelang waren größere militärische Aktivitäten speziell im Westen wegen Corona lahmgelegt. Manöver etwa in Europa wurden sogar unterbrochen. Angesichts der offenbaren Besserung der Lage geht es nun aber in Bälde weiter: Der Stab der U.S. Army Europe in Wiesbaden (Deutschland) gab dieser Tage bekannt, dass die Übung „Allied Spirit" in Polen von 5. bis 19. Juni stattfinden wird.

Sie wird etwa 6000 Soldaten umfassen, davon 4000 Amerikaner, der Rest Polen. Die US-Einheiten stammen von der 1st Cavalry Division (einer Panzerdivision), dem 2nd Armored Brigade Combat Team (mechanisierte Infanterie) und der 3rd Combat Aviation Brigade, einer Hubschraubereinheit. Die polnischen Truppen entstammen einer Luftlandebrigade, einer Brigade mechanisierter Infanterie und einer Panzerbrigade.

Polnischer Kampfpanzer PT-91 bei einem Manöver im Frühjahr in Lettland.NATO/Baltic Security

Schauplatz von Allied Defender wird das Übungsgebiet Drawsko Pomorskie in Nordwestpolen sein. Es wird im Kern um eine Luftlandeaktion der Polen sowie die Querung eines Flusses durch US-polnische Panzer- und mechanisierte Verbände in Divisionsstärke gehen. Das Manöver war an sich für Mai geplant gewesen.

Wie es heißt, seien Ablauf und Organisation der Übung modifiziert worden, um mögliche Ansteckungen der Soldaten und der zivilen Anrainer der Gegend mit Corona zu vermeiden. Alle Teilnehmer seien etwa negativ auf das Virus getestet worden.

Teil einer großen Serie

Die Übung in Polen ist Teil einer großen Serie namens „DEFENDER-Europe 20", die den schnellen Aufbau von Kräften in Nato-Osteuropa und Nordeuropa demonstrieren soll. Mit Ausbruch der Coronakrise Ende Februar/Anfang waren die dafür geplanten Truppentransporte aus den USA nach Europa gestoppt worden, doch wurden laut US-Armee rund 90 Prozent des Materials für DEFENDER-Europe 20 in Schiffen und Transportflugzeugen noch nach Europa gebracht. Letztlich kamen 6000 US-Soldaten an; etwa 9000 Fahrzeuge aller Art, vom Panzer bis zum Geländewagen, wurden nach Europa verschifft bzw. aus Depots vor allem in Deutschland mobilisiert und auf Übungsgebiete verbracht.

In den kommenden Monaten soll die Serie der DEFENDER-Europe-20-Manöver weitergehen, darunter auch im Baltikum, auf dem Balkan und im Schwarzen Meer. Überhaupt ist die Intensivierung der militärischen Aktivitäten der NATO heuer auffällig. So endete erst vor wenigen Tagen ein US-britisches Seemanöver in der Barentssee zwischen Norwegen und  Nordrussland, das insofern historisch war, als dabei erstmals seit den 1980er-Jahren wieder amerikanische Überwasserschiffe in dieser arktischen Seeregion waren, die für Russland besonders wichtig ist.

Amerikanische und britische Schiffe Anfang Mai in der Barentssee.U.S. Naval Forces Europe-Africa/U.S. Sixth Fleet

Laut U.S. Army Europe sind Übungen wie im Rahmen von DEFENDER-Europe 20 ein Zeichen, dass die westliche Allianz zusammenstehe und die Verpflichtung der USA gegenüber ihren Nato-Partnern „eisern" sei.