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Kultur

Bregenzer Festspiele abgesagt

Blick auf die Seebühne mit dem Bühnenbild von Rigoletto, Mitte November.Greber
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Die Corona-Abstandsregeln und Höchstgrenzen für Zuseher bei Kulturereignissen machen das Großereignis unrentabel und haben es erstmals seit der Gründung 1946 gekippt. Hotels in Vorarlberg angeblich in Insolvenzgefahr.

Die heurigen Bregenzer Festspiele sind abgesagt worden. Es sei aus den aktuellen Ausführungen der Bundesregierung abzuleiten, dass eine Durchführung der Spiele am See heuer erstmals seit ihrer Gründung 1946 nicht möglich sein werde, wie die „Vorarlberger Nachrichten" schon im Vorfeld berichtet hatten. Kurz nach 16 Uhr kam dann das offizielle „Aus" seitens der Festspielleitung.

Die Spiele in deren Zentrum so wie im Vorjahr die Aufführung der Oper „Rigoletto" von Giuseppe Verdi stehen sollte, sollten von 22. Juli bis 23. August stattfinden. Konkret gehe es um die Abstandsregeln, die Gesundheitsminister Rudolf Anschober heute Mittag verkündet hatte. Diesen zufolge sind Veranstaltungen für 250 Zuschauer, im August dann für bis zu 500, bestenfalls für 1000 Zuschauer erlaubt.

Die Seebühne hat allerdings Platz für rund 7000 Personen. Obwohl das Bühnenbild weitgehend vor Ort überwintert hat und man die Spiele mit nur wenigen Wochen Vorlaufzeit aufstellen könnte, dürfte sie das Besucherlimit finanziell schlichtweg nicht tragbar machen.

>>> Link zu den Bregenzer Festspielen

Im Vorjahr besuchten etwa 250.000 Menschen die Festspiele samt ihrer Veranstaltungen auf Nebenbühnen. Für heuer waren bereits 203.000 Tickets gedruckt gewesen, etwa 80 Prozent davon seien schon im Vorfeld verkauft worden, obwohl das Kartenbüro in Bregenz seit Monaten geschlossen ist. Der Präsident der Festspiele, Hans-Peter Metzler, hat sich zuletzt gegen ein „Rumpffestival" ausgesprochen. Man werde einfach 2021 alles nachholen.

Laut Festspiel-Organisation kann man bereits gekaufte Karten ab Montag, 18. Mai, online über die Homepage zurückgeben. Neben der Rückerstattung des Preises bestehe auch die Möglichkeit, mit Terminen im Sommer 2021 zu tauschen. Man könne Karten auch postalisch und unter Angabe der Bankverbindung retournieren. Karteninhaber, die die Tickets direkt bei den Festspielen gakuft haben, würden noch verständigt.

Blick vom Pfänder auf die Seebühne, im Hintergrund die Ausläufer der Schweizer BergeRimar/Gemeinfrei

Die Bregenzer Festspiele sind das bedeutendste kulturelle Ereignis der Bodenseeregion mit deren Anliegern Österreich, der Schweiz und Deutschland, und wirken weit über die wohlhabende, wirtschaftlich starke Region mit ihren Verknüpfungen speziell nach Frankreich und Italien hinaus. Auch wirtschaftlich sind die Spiele im Festspielhaus überaus wichtig. Wie die „Presse" aus informierten Kreisen erfuhr, könnte eine Absage zu mehreren längerfristigen Schließungen, ja sogar Insolvenzen von Beherbergungsbetrieben vor allem in Vorarlberg führen.

„Herber Schlag" für Tourismus

Für die Vorarlberger Tourismusbranche sei die Absage der Bregenzer Festspiele in der Tat ein "herber Schlag", so Christian Schützinger, Geschäftsführer von Vorarlberg Tourismus, im Gespräch mit der Austria Presseagentur. Acht bis zehn Prozent der Urlauber besuchten Vorarlberg explizit wegen einer Kulturveranstaltung. Ohne Festspiele und vermutlich auch ohne die Schubertiade könnten bei 1,3 Millionen Gästen im Sommer also bis zu 130.000 Urlauber fehlen.

Die Bregenzer Festspiele spielen im Vorarlberger Sommer eine ganz wesentliche Rolle, nicht nur für die Übernachtungen in den Beherbergungsbetrieben. Sie ziehen laut Schützinger auch zahlreiche Tagesgäste aus der Bodenseeregion an, die wichtig für Gastronomie und Handel seien. Die Festspiele bringen der Region jährlich laut einer Studie eine Wertschöpfung von 100 Mio. Euro. Zudem bringe die Festivalsaison einen "eigenen Geist" ins Land. Die Festspielzeit bedeute Atmosphäre, bedeute Stimmung. Das werde fehlen", so der Touristiker.