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Spekulationen

Wirecard erholt sich nicht

Wirecard-Chef Markus Braun halten manche Aktionäre für fehl am Platz.
Wirecard-Chef Markus Braun halten manche Aktionäre für fehl am Platz.(c) REUTERS (Michael Dalder)
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Hedgefonds haben ihre Wetten auf die fallenden Aktien von Wirecard deutlich erhöht und machen damit ein gutes Geschäft.

Frankfurt. Die deutsche Finanzaufsicht Bafin hat am Freitag beschlossen, Wetten auf den stark fallenden Aktienkurs von Wirecard nicht zu verbieten. Man sehe aktuell keinen Grund für ein Leerverkaufsverbot, teilte die Sprecherin mit. Anfang 2019 hatte die Behörde anders entschieden. Als die Wirecard-Aktie in den Keller rasselte, verbot die Bafin Wetten für zwei Monate – und handelte sich damit viel Kritik ein.

Mit Leerverkäufen wetten Anleger auf fallende Kurse. Dabei verkaufen sie Wertpapiere, die sie sich zuvor gegen eine Gebühr leihen. Sinkt der Preis bis zum Rückgabe-Datum, können sie sich am Markt billiger mit den Titeln eindecken und streichen die Differenz ein. Steigt der Kurs dagegen, droht den Leerverkäufern Verlust.

Doch zurück zu Wirecard: Gegen das Unternehmen werden seit Jahren immer wieder Vorwürfe der falschen Bilanzierung vor allem bei Auslandstöchtern erhoben. Um diese zu entkräften, hatte der Aufsichtsrat des Zahlungsdienstleisters im Herbst 2019 eine Sonderprüfung bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG in Auftrag gegeben. Die Prüfer konnten allerdings viele Vorwürfe nicht entkräften. Im Gegenteil: Sie warfen dem Wirecard-Management Versäumnisse bei internen Kontrollen vor. Vorstandsvorsitzender des Unternehmens ist der Österreicher Markus Braun.

 

Spekulanten im Vormarsch

Die Vorlage des KPMG-Berichts Ende April hat – anders als geplant – die Situation für Braun und seine Kollegen also nur verschärft: Hedgefonds  haben ihre Wetten auf einen Kurseinbruch der Wirecard-Aktie in den vergangenen Wochen kräftig erhöht. Die im Bundesanzeiger veröffentlichten Netto-Leerverkaufspositionen sind auf über zehn Prozent gestiegen. Doch das ist nur die Spitze des Eisbergs, denn im Bundesanzeiger werden die Geschäfte erst veröffentlicht, wenn die Schwelle von 0,5 Prozent überschritten wird. Bislang dürften die Wetten der Spekulanten aufgehen. Vor der Veröffentlichung des KPMG-Berichts notierte die Wirecard-Aktie noch bei mehr als 130 Euro, danach brach sie ein. Am Freitag notierte die Wirecard-Aktie bei rund 84 Euro.

Für Braun wird die Luft dünn an der Spitze von Wirecard. Der Chef des Hedgefonds TCI und die Fondsgesellschaft Deka, die zu den Großaktionären von Wirecard gehört, forderten jüngst seinen Rücktritt. Der Aufsichtsrat steht aber – noch – hinter Braun. (red.)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.05.2020)