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Kultursommer

Keine Festspiele in Bregenz, kleine in Salzburg - und sonst nur Sitzplätze

Rigoletto Bühnenbild in Bregenz.
Rigoletto Bühnenbild in Bregenz.(c) imago images / Philippe Ruiz
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Das lang erwartete Regelwerk für Veranstaltungen ist da: Ab Ende Mai wird das Kulturleben schrittweise hochgefahren. Die großen Festivals reagieren unterschiedlich.

Wien. Welche Formen des Kulturgenusses sind diesen Sommer möglich, welche nicht? Auf Antworten mussten Kulturveranstalter und -freunde lang warten. Nun hat die Regierung ein grobes Regelwerk präsentiert. Die großen Festspielleitungen des Landes reagierten darauf mit unterschiedlichen Entscheidungen: Die Salzburger Festspiele finden statt, wenn auch in einer deutlich abgespeckten Version. Der „Jedermann“ wird gespielt, das große Programm zum 100-Jahr-Jubiläum wird aber auf 2021 verschoben.

Die Bregenzer Festspiele werden dagegen ganz abgesagt: Auf der Seebühne, die Platz für rund 7000 Personen bietet, sei ein Betrieb mit dem anvisierten Besucherlimit „wirtschaftlich nicht machbar“. Zum ersten Mal seit der Gründung der Festspiele 1946 fällt damit eine Saison aus. Die Inszenierung des „Rigoletto“ wird 2021 wieder aufgenommen, ebenso die Hausoper „Nero“.

100 Besucher ab 29. Mai, 250 im Juli, 500 im August

Den Stufenplan für ein Wiederhochfahren des Kulturlebens, den eigentlich Ulrike Lunacek vorlegen wollte, haben am Freitag Vizekanzler Werner Kogler und Gesundheitsminister Rudolf Anschober präsentiert. Die Eckpunkte: In drei Schritten werden (Kultur-)Veranstaltungen ermöglicht, der erste tritt schon in knapp zwei Wochen in Kraft – ab 29. Mai dürfen Indoor- wie auch Outdoorveranstaltungen für bis zu 100 sitzende Besucher wieder stattfinden. Ab 1. Juli wird das Limit auf 250 Besucher erweitert, unter dieser Voraussetzung können dann auch Kinos wieder aufsperren.

Ab 1. August werden Veranstaltungen mit bis zu 500 Besuchern erlaubt – beziehungsweise bis zu 1000, wenn Veranstalter ein spezielles Sicherheitskonzept vorlegen, das Anschober mit den detaillierten Präventionsmaßnahmen im Mannschaftssport verglich.

Eine Checkliste zum kreativ Auslegen

Darüber hinaus setzt die Kulturpolitik auf die „Eigenverantwortung und Kreativität“ der Kulturbranche. Eine Checkliste mit vorgegebenen Regeln mögen Veranstalter „bitte nicht als Bürokratiemonster“ verstehen, so Anschober, die genauen Maßnahmen sollen sie selbst erstellen und zum „Drüberschauen“ vorlegen: Wie wird an den Garderoben ein Abstand sichergestellt? Wie reagiert man, wenn bei Beteiligten Covid-19-Symptome auftreten? Ein „Corona-Beauftragter“ soll sich bei jeder Veranstaltung dieser Fragen annehmen.

"Wir können mehr ermöglichen, als wir vor Kurzem noch zu hoffen gewagt haben."

Werner Kogler, Vizekanzler

In eine Verordnung gegossen würden diese Ankündigungen am 25. Mai, so Anschober, „nach einer Woche des Dialogs mit den Kulturschaffenden“ und den Kulturreferenten der Länder. Dabei sollen noch Details geklärt werden: Was darf auf der Bühne passieren, was im Orchestergraben? Wie wird geprobt? Bis 25. Mai wollen dann auch die Salzburger Festspiele ausloten, wie ihr Programm genau aussehen wird.

Den Dialog mit der Branche wollte freilich auch Lunacek suchen, gelungen ist er ihr nicht. Es war auch der Mangel an Planungssicherheit, der viele zu wütenden Protesten animierte: Die Kultur sei als erste Branche heruntergefahren worden und würde die letzte sein, die wieder aktiv werden darf. Kogler bat um Verständnis dafür, dass es so lang gedauert hat: Es sei nicht leicht gewesen, sich mit dem Gesundheitsministerium und dem Kanzleramt zu einigen. Und die Infektionszahlen hätten sich auf unerwartete Weise entwickelt: „Im März haben wir angenommen, dass bis Herbst überhaupt keine Veranstaltungen möglich sein werden.“ Mit den Bundesländern sei schon ein Kulturstopp bis 1. September vereinbart worden.

Ein Sommer ohne Stehplätze

Wie es dann weitergeht, ist noch offen: Eine Evaluierung der Ausbreitungssituation soll im Juni Klarheit bringen, wie etwa Theater für den Saisonstart planen können. Der designierte Staatsopern-Chef Bogdan Roščić gemahnt zur Eile: Der Verkauf solle in den nächsten Wochen beginnen, „die heutigen Informationen sind dafür keine ausreichende Basis.“ Theaterdirektor Herbert Föttinger hofft auf einen Wegfall der Ein-Meter-Abstandsregel: Bleibe diese, „dann ist das Abo-System der Josefstadt zerstört“.

Filmdrehs sollen schon ab 29. Mai möglich sein – einige Produzenten werden wohl aber erst dann mit teuren Produktionen beginnen, wenn ihnen die Ausfallhaftung bei einer möglichen zweiten Welle abgenommen wird. Für die Pop- und Clubszene sieht es weiter schlecht aus: Veranstaltungen mit Stehpublikum bleiben verboten – und das, so Anschober, „wohl noch länger“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.05.2020)