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Energie: Ukraine erhöht Gaspreise um 50 Prozent

Energie Ukraine erhoeht Gaspreise
(c) AP (Sergei Chuzavkov)
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Kiew beugt sich dem Druck des IWF. Ab August wird Gas um die Hälfte teurer. Diese unpopuläre Maßnahme sei notwendig, um das Haushaltsdefizit abzubauen.

Kiew (red/ag). Kreidebleich trat der ukrainische Ministerpräsident Mykola Azarow vor die Kameras: Ab ersten August werde die staatliche Naftogaz die Gaspreise in der Ukraine um die Hälfte anheben, ließ er das ukrainische Volk wissen.

Diese unpopuläre Maßnahme sei notwendig, um das Haushaltsdefizit abzubauen und so die Bedingungen für einen 14,9 Mrd. Dollar schweren IWF-Kredit zu erfüllen. „Das Land wird ohne Preiserhöhungen nicht überleben“, sagte der stellvertretende Ministerpräsident Sergei Tigipko. Die 45 Millionen Einwohner der Ukraine verbrauchen 47 bis 50 Mrd. Kubikmeter Erdgas im Jahr. Der Großteil davon kauft die staatliche Naftogaz von Russland – weit teurer als das Gas im Land weiterverkauft wird. Heuer wird das Unternehmen geschätzte zehn Mrd. Griwna (994 Mio. Euro) Verlust einfahren. Im Vorjahr waren es gar 30 Mrd. Griwna. Bleibt nur noch der Staat, um die Verluste abzudecken.

 

IWF entscheidet Ende Juli

Doch der kann sich das nach einem drastischen Wirtschaftseinbruch im vergangenen Jahr einfach nicht mehr leisten. Um den Kredit des IWF abrufen zu können, und damit seine Haushaltslöcher zu stopfen, muss Kiew das Budgetdefizit heuer von den zunächst vorhergesagten 6,3 Prozent auf 5,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts senken.

Die Regierung habe versucht, Alternativen vorzuschlagen, letztlich sei „die Position des Gläubigers immer stärker“, sagte Tigipko. Vor allem Heizfirmen und Privathaushalte werden das Ende der traditionell subventionierten Gaspreise deutlich zu spüren bekommen. Die Industrie hatte schon bisher höhere Preise bezahlt. Die Regierung kündigte an, Familien zu helfen, deren Energierechnung mehr als 15 Prozent des Haushaltseinkommens ausmachen, wenn zumindest ein Familienmitglied arbeitet. Arbeitslose erhalten die Hilfe schon früher. Die Entscheidung über die IWF-Hilfen soll Ende Juli fallen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.07.2010)