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Ryanair-Chef: Lauda-Basis in Wien dürfte Ende Mai schließen

Ryanair-Chef O'Leary sieht existenzielle Krise bei Lauda
Ryanair-Chef O'Leary sieht existenzielle Krise bei LaudaREUTERS
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Der österreichischen Ryanair-Tochter Lauda Air droht am Hauptsitz in Wien das Aus. Lauda stehe vor einer "existenziellen Krise" sagt Konzernchef Michael O'Leary.

Der irische Billigflieger Ryanair fährt angesichts der Einschränkungen in der Luftfahrt durch die Coronakrise ein scharfes Sparprogramm. Dem dürfte auch die Lauda-Basis in Wien zum Opfer fallen, sagte Firmenchef Michael O'Leary am Montag anlässlich der Präsentation der Unternehmensergebnisse für 2019/20. Er rechne nicht mehr mit einer Einigung mit der Gewerkschaft.

O'Leary verlangt im Konzern von Piloten und Kabinenpersonal eine Lohnkürzung von 20 Prozent. Selbst mit so einem Entgegenkommen würden 3.000 Jobs für Piloten und Flugbegleiter wegfallen, sollten die Mitarbeiter dem nicht zustimmen, dann würde noch mehr Jobs gestrichen, sagte O'Leary in einem auf der Homepage veröffentlichten Video.

Laudamotion stehe vor einer existenziellen Krise und habe schon vor Ausbruch der Corona-Pandemie Verluste gemacht. Um zu überleben brauche es eine "tiefe Umstrukturierung" der Basis in Wien. "Ich denke, dass es wahrscheinlich ist, dass die Basis in Vienna Ende Mai schließt, weil wir nicht sehen, dass die Gewerkschaft, die vor allem Beschäftigte österreichischer Luftlinien vertritt, Bedingungen akzeptiert, die Lauda überleben lassen", so O'Leary.

Die für heuer geplante Lieferung von acht Flugzeugen sei schon gestrichen. Aber es sei billiger, die Airbus von Laudamotion am Boden zu lassen, als sie in ineffizienten Strukturen zu fliegen. Im Ryanair-Konzern werden mit Ausnahme von Lauda durchwegs nur Boeing genutzt. Schon früher hatte der Firmenchef angekündigt, dass Rynair dann künftig Wien mit Maschinen anderer Tochterfirmen anfliegen würde. Die Landerechte sind bereits an den Konzern übertragen.

AK prangert „Wildwestmethoden“ an

Harsche Kritik an Ryanair kam am Montag von der AK Niederösterreich. Demnach würden Ryanair-Beschäftigte über "Drangsalierungen, psychischen Dauerdruck und sicherheitsgefährdende Einsparungen" klagen. Techniker würden "seit Monaten systematisch unter Druck gesetzt, um ihr OK für die Flugtauglichkeit von Fliegern zu geben, um damit notwendige teurere Service-Wartungen zu umgehen", sagt AK Niederösterreich Präsident und ÖGB Niederösterreich Vorsitzender Markus Wieser. Für Krankenstände müssten sie sich jeden Tag rechtfertigen, auch werde mit Kündigung beim nächsten Krankenstand gedroht. "Auch gibt es Berichte von Mitarbeitern, dass Zwangsimpfungen seitens der Airline vertraglich festgelegt würden".

"Diesen Machenschaften von Lohn- und Sozialdumping, rechts- und sittenwidrige Verträgen sowie Gefährdung der Sicherheit gehört das Handwerk gelegt.... Diese Wildwestmethoden haben in Österreich nichts verloren. Sie schaden den Mitarbeitern, sie gefährden die Sicherheit der Fluggäste und sie ziehen auch die anderen Fluglinien in eine gefährliche Abwärtsspirale. Hier muss die Bundesregierung raschest handeln - zum Wohle der Wertschöpfung und der ArbeitnehmerInnen im Land", so Wieser.

Die übrigen Lauda-Stützpunkte in Stuttgart, Düsseldorf und Palma bleiben offen, sagte O'Leary. Dafür dürften andere Ryanair-Basen dem Sparstift zum Opfer fallen, zunächst in Großbritannien, Spanien und Deutschland. Aber auch Stützpunkte in Italien, Belgien und Osteuropa stehen auf dem Prüfstand.

O'Leary prangert Staatshilfen an

Heftige Attacken ritt O'Leary gegen staatliche Subventionen für andere Airlines, darunter die Lufthansa-Gruppe mit der AUA. Dabei fielen Begriffe wie "Staatshilfen-Junkies", die "illegale Staatshilfen" verwenden würden, um die Preise für Tickets künstlich niedrig zu halten. O'Leary will einerseits gegen jede Staatshilfe klagen, will aber selber auch mit "tiefen Abschlägen" auf die Ticketpreise rasch wieder die Flugzeuge füllen. Nach O'Learys Rechnung wurden 30 Milliarden Euro Staatshilfe an Europas Fluglinien vergeben oder sind in Verhandlung, darunter die 767 Millionen Euro, die die AUA braucht. Die Lufthansa-Gruppe komme auf gut 12 Milliarden Euro, AirFrance-KLM auf gut 10 Milliarden Euro, Alitalia auf 3,5 und TUI auf 1,8 Milliarden Euro, Lufthansa Group, SAS, Finnair und Norwegian zusammen noch einmal auf 1,8 Milliarden Euro.

Dabei war das abgelaufene Geschäftsjahr 2019/20 für Ryanair durchaus erfolgreich. 149 Millionen Passagiere wurden befördert, der Gewinn nach Steuern lag knapp über einer Milliarde Euro. Für das laufende Geschäftsjahr geht Ryanair aber nur mehr von 80 Millionen Passagieren aus, nach einem praktisch völligen Stillstand im April hofft man im Juli auf rund 40 Prozent des Vorjahres-Flugplans zu kommen. Das seien aber eher Schätzungen. Für das laufende erste Quartal rechnet Ryanair wegen des Shutdowns seit Mitte März mit einem Verlust von 200 Millionen Euro. Im zweiten Quartal werde sich der Fehlbetrag verringern oder sogar schon wieder ein kleiner Gewinn anfallen. Bei liquiden Mitteln von 4,1 Milliarden Euro gibt Ryanair pro Woche 60 Mio. Euro aus.

(APA)