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Zyklon "Amphan" hinterließ Verwüstungen in Bangladesch und Indien

Bilder vom 20. und 21. Mai aus Kolkata, die zeigen, wie schnell das Wasser in die Straßen gedrungen ist.
Bilder vom 20. und 21. Mai aus Kolkata, die zeigen, wie schnell das Wasser in die Straßen gedrungen ist.APA/AFP/COURTESY OF SATYAKI SANY
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Knapp 80 Menschen kamen ums Leben, rechtzeitige Evakuierungsmaßnahmen in den Küstengebieten verhinderten Schlimmeres. Eine Sorge gilt auch den Wildtieren im Unesco-Naturerbe.

Der stärkste Zyklon seit mehr als 20 Jahren ist über Bangladesch und Indien hinweggefegt und hat eine Spur der Verwüstung hinterlassen und fast 80 Menschen in den Tod gerissen. Sie starben etwa durch zusammenkrachende Häuser oder umstürzende Bäume, wie zuständige Behörden mitteilten. Indiens Premier Narendra Modi möchte sich am Freitag aus der Luft ein Bild von den Schäden machen, wie örtliche Medien berichteten. Tausende Häuser wurden im Sturm dem Erdboden gleichgemacht. Strom gibt es in einigen Gebieten noch nicht. 

Zahlreiche Häuser wurden zudem zerstört, Autos von Überschwemmungen fortgerissen und Hochspannungsmasten umgeknickt, als der Sturm "Amphan" in der Nacht auf Donnerstag mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 165 Stundenkilometern über der Region tobte. Die Behörden von Bangladesch warteten in der Früh noch auf genaue Nachrichten von den Sundarban-Inseln, die genau am Weg des Zyklons lagen. Die Sundarbans gehören zum Unesco-Weltnaturerbe und sind berühmt für ihre Mangrovenwälder und Bengalischen Tiger.

Im Vorfeld des Sturms waren mehr als drei Millionen Menschen aus Küstendörfern in Sicherheit gebracht worden. Die Erleichterung darüber, dass so eine hohe Zahl von Todesopfern vermieden werden konnte, war überschattet von der Furcht, dass sich in den überfüllten Notunterkünften das Coronavirus ausbreiten könnte.

Im westbengalischen Kolkata wurden die Straßen überschwemmt, in großen Teilen der 15-Millionen-Einwohner-Metropole fiel der Strom aus. Der Flughafen war völlig überflutet, es gab umgestürzte Strommasten und umgekippte Autos, wie Fernsehbilder zeigten.

Größere Katastrophe als Corona

Laut der Regierungschefin von Westbengalen ist die Katastrophe größer als Corona und es brauche drei, vier Tage, um das ganze Ausmaß der Schäden abzuschätzen. Ein Mann, der in der Nähe vom Ort lebte, wo der Sturm am Mittwoch in Indien an Land traf, sagte dem Fernsehsender NDTV: "Viele Gebiete sind verwüstet und es gibt keine Wasserversorgung. In unserem Dorf hat dieser schreckliche Sturm alles flach gemacht." Der Sturm erreichte laut dem indischen meteorologischen Dienst in der Region Windgeschwindigkeiten von gar bis zu 185 Kilometern pro Stunde und brachte viel Regen und Gewitter. Der Zyklon soll zunächst weiter über Bangladesch nach Bhutan ziehen und sich am Donnerstagnachmittag abschwächen.

Nach Angaben der bangladeschischen Behörden wurden die Sundarban-Inseln vom Zyklon schwer getroffen. Das genaue Ausmaß der Schäden sei aber noch unklar, sagte Forstbehördenleiter Moyeen Uddin Khan: "Wir sind sehr besorgt um die Wildtiere. Sie können von Sturmfluten mitgerissen werden." Ein Bewohner des indischen Teils der Sundarbans schilderte, die Häuser in der Region sähen aus "wie mit dem Bulldozer niedergewalzt".

Die Corona-Pandemie machte die großen Evakuierungen vor dem Sturm noch schwieriger als sonst bei solchen Stürmen. Um Abstand zu gewährleisten, stellten Behörden beider Länder nach eigenen Angaben mehr Notunterkünfte zur Verfügung. Trotzdem konnten die Leute in den Unterkünften nicht immer genügend Abstand halten, wie Fernsehbilder zeigten.

Einige Leute wollten aber nicht in die Notunterkünfte, hieß es von Behörden und Hilfsorganisationen. Manche hätten Angst gehabt, ihr Hab und Gut zurückzulassen, andere, sich in den Notunterkünften mit dem Coronavirus zu infizieren.

Wirbelstürme kommen im Golf von Bengalen immer wieder vor. Bei einem großen Zyklon im Jahr 1999 starben rund 10.000 Menschen. Experten gehen davon aus, dass die Intensität der Stürme in den vergangenen Jahren unter anderem wegen des Klimawandels tendenziell zugenommen hat. Die Opferzahlen waren aber in den vergangenen Jahren generell kleiner, da es inzwischen mehr gute Notunterkünfte und Evakuierungspläne gibt.

(APA/AFP/dpa)