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Whistleblower

Apple betreibt mit Siri weiterhin massive Überwachung

APA/dpa/Alexander Heinl
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Die Mitschnitte von Siri gehören längst nicht der Geschichte an. Thomas Le Bonniec hat im Auftrag seines Unternehmens für Apple gearbeitet. Er erhebt schwere Vorwürfe gegen den iPhone-Riesen.

Es war die große Aufregung im Sommer des Vorjahres. Smarte Assistenten wie Siri, Alexa und Google hörten mit. Auch in intimen Momenten der Nutzer. Dass die Aufnahmen dann auch noch von externen Mitarbeitern verschriftlicht wurden, regte auf. Der Protest der folgte, zog Gelobnisse zur Besserung nach sich, mit wenig Erfolg, wie nun Thomas Le Bonniec aufzeigt. Er wirft Apple vor, den tatsächlichen Umfang der Aufzeichnungen zu verheimlichen. Das Unternehmen weist die Vorwürfe von sich und erklärt gegenüber der "Presse", dass Aufnahmen der Nutzer seit Oktober nur noch mit Einwilligung vorgenommen werden.

Was bisher geschah: Im Gespräch mit ehemaligen Amazon-Mitarbeitern fand die Nachrichtenagentur Bloomberg heraus, dass Tausende externe Mitarbeiter Aufnahmen anhören, sie transkribieren und anschließend wieder Alexa füttern. Zur Verbesserung des Sprachdienstes. Eine Methode, die auch bei Apple und Google eingesetzt wurde. In den Nutzungsbedindungen ist voreingestellt, dass man bereit sei, bei der "Verbesserung des Dienstes" mitzuhelfen. Dass damit einher ging, dass Fremde, private Gespräche hörten und transkribierten, war nicht klar.

Die Unternehmen zeigten sich einsichtig, deaktivierten ihre Dienste mit ständiger Betonung, dass Aufnahmen nur dann gemacht wurden, wenn das System ohne Signalwort angesprungen sei. Google behauptet, dass nur 0,2 Prozent der Mitschnitte von Menschen angehört wurden.

Im Herbst aktivierte Apple wieder diese Option, die seitdem aber eine klare Zustimmung braucht - zumindest auf dem Papier. Ein reines Lippenbekenntnis wie der Mitarbeiter Thomas Le Bonniec, der von Mitte Mai bis Mitte Juli in Cork (Irland) für Globe Technical Services, einem Subunternehmen, das mit der Umsetzung des Projekts "Bulk Data" tätig war, behauptet.

In dem Projekt sei es darum gegangen, die Verschriftlichung von Siri-Aufnahmen zu übernehmen. Weiterhin wurden Gespräche aufgenommen, ohne das Signalwort Siri vorher zu verwenden. Gespräche über Politik, Sex wurden ebenso aufgenommen, gespeichert und transkribiert, wie jene, die potenziell relevant für Strafverfolgungsbehörden sind. Als er das Gespräch eines Pädophilen zu hören bekam, zog er den Stecker und verließ das Unternehmen.

Apple versteht die Vorwürfe nicht

Seit fünf Jahren betreibe Apple diesen Lauschangriff. Offiziell nur um den Dienst zu verbessern und unter Wahrung der Privatsphäre. Jene Personen, die die Aufnahmen transkribieren sollen, bekommen keine Hinweise auf die Nutzer. Le Bonniec bezweifelt das. Ihm zufolge werden "Keywords" wie Namen, Kontakte, Standortinformationen sowie auch Apps, Titel zu Serien und Filmen miteinander verknüpft. Zwar werden die Namen nun in den Transkripten zensiert, aber in den Aufnahmen seien sie weiterhin hörbar. Der Datenumfang dürfte gewaltig sein. Jedes einzelne Transkriptionsprojekt enthalte zwischen 600.000 und 1,2 Millionen an Aufnahmen pro Sprache und Gerät. Wofür diese Daten verwendet werden, weiß er nicht. Er vermutet, dass es für den Verkauf von Werbung eingesetzt werden könnte. Denn für die Verbesserung des Dienstes sei eine solche Menge an erfassten Daten nicht notwendig.

In einem offenen Brief an die europäische Datenschutzbehörde fordert er zu einer gründlichen Untersuchung auf: "Diese Praktiken stehen eindeutig im Widerspruch zu den "datenschutzorientierten" Richtlinien des Unternehmens und sollten dringend von Datenschutzbehörden und Datenschutzbeauftragten untersucht werden", schreibt er.

Apple hingegen beteuert, dass die im Oktober angekündigten Maßnahmen auch umgesetzt wurden. Wieviele Nutzer seitdem aktiv der Nutzung der Aufnahmen zu Verbesserungszwecken zugestimmt haben, könne man aber nicht sagen. Jedoch seien es nur 0,2 Prozent der Siri-Anfragen, die transkribiert werden. Zudem werden diese Transkripte nun im Haus und nicht mehr von externen Mitarbeitern erledigt. Die Behauptungen des ehemaligen Mitarbeiters eines Subunternehmens seien veraltet, weswegen man die Aufregung auch nicht nachvollziehen könne.

>>> Hier geht's zum Bericht von „Guardian"

(bagre)