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Plagiatsvorwurf gegen Christoph Waltz' "Fidelio"-Inszenierung

Viel erwartete ?Fidelio?-Neuinszenierung von Christoph Waltz als exklusive Fernsehfassung im ORF
Das Bühnenbild bei der "Fidelio"-Inszenierung war beeindruckend. Aber ist die Treppe abgekupfert?(c) ORF (Monika Rittershaus)
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Das Bühnenbild soll abgekupfert sein, berichte ein deutscher Blogger. Entworfen wurde die markante Treppenkonstruktion von einem Architekturbüro.

Live im Theater an der Wien war Christoph Waltz‘ Inszenierung von Ludwig van Beethovens „Fidelio“ für Zuschauer nicht zu sehen, wohl aber als TV-Übertragung im ORF am 20. März. Visuell besonders beeindruckend war das gewaltige Bühnenbild einer Doppelhelixtreppe, entworfen vom US-deutschen Architekturbüro Barkow Leibinger. Nun gibt es einen Plagiatsvorwurf gegen die markante Treppenkonstruktion: Der Kulturjournalist Axel Brüggemanns schreibt in seinem Blog bei der Klassikzeitschrift "Crescendo", dass die Treppe frappant an eine Studie für eine Bibliothek des US-Architekten Khoa Vu erinnere.

Eine Zusammenarbeit habe es nicht gegeben, sagte Vu gegenüber Brüggemann. "Ich war schockiert, als ich die Bilder gesehen habe. Man muss ernsthaft davon ausgehen, dass Barkow meine Idee kopiert hat", so der Architekt.

Das Barkow Leibinger wies die Plagiatsvorwürfe zurück. "Wir wollen nicht ausschließen, dass das von Herrn Khoa Vu stammende Bild, das als Vergleich herangezogen wird, im Rahmen unserer Recherche, auch zu anderen Projekten, gesehen wurde und daher bekannt war“, schrieben die Architekten in einer Stellungnahme. „Allerdings können wir auch sagen, dass das Bild im Entstehungsprozess des Bühnenbildentwurfs keine weitere Rolle gespielt hat."

Sollte eine Drehbühne werden

Ursprünglich habe man auch eine Drehbühne einsetzen wollen, was sich dann technisch und finanziell als zu aufwendig herausgestellt habe, aber einen anderen Eindruck ergeben hätte. Das zum Vergleich mit Vu herangezogene Bild aus dem „Fidelio“ stelle nur eine Momentaufnahme dar. „Unserer Auffassung nach handelt es sich bei beiden Architekturen um Originale“, so Barkow Leibinger. Man sei nun mit dem Architekten Khoa Vu in Verbindung getreten.

Der Plagiatsexperte Stefan Weber bezeichnet die Vorwürfe hingegen als „mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zutreffend“. Dabei tritt vor allem die „Eigentümlichkeit der Treppengestaltung“ hervor, so Weber.

Der Vorwurf erhärte sich „schon dadurch, dass eine weltweite Bildersuche zu 'Doppelhelixtreppe' keine vergleichbaren Funde produziert außer den beiden, über die wir jetzt diskutieren“, sagte der Experte. „Architekturplagiate gehören zu den am schwierigsten zu beurteilenden Plagiaten.“

Auch dass die Treppengestaltung über eine reine technische Lösung hinausgehe und eine besondere künstlerische Gestaltung aufweise, „muss höchstwahrscheinlich bejaht werden“. Die „Zweckentfremdung“ eines Plans für eine Bibliothek für ein späteres Bühnenbild sind seines Erachtens „kein Gegenargument gegen den Plagiatsvorwurf“.

>> Zum Blogbeitrag auf "Crescendo" und den Statements der Architekten Barkow Leibinger 

>> Der Entwurf von Khoa Vu und der Bau, der dann realisiert wurde

(APA/dpa)