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Missbrauchsskandal: Hamburger Bischöfin tritt zurück

Bischoefin Maria JEPSEN
Bischöfin Maria Jepsen(c) AP (Carsten Rehder)
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Die Bischöfin soll schon seit Jahren von den Missbrauchvorwürfen gegen einen Pastor in Ahrensburg gewusst haben. Sie war die erste lutherische Bischöfin weltweit.

Die Bischöfin der Nordelbischen Kirche in Deutschland, Maria Jepsen, hat ihren Rücktritt erklärt. Die 65-Jährige begründete diesen Schritt am Freitag vor Journalisten in Hamburg damit, dass ihre Glaubwürdigkeit angezweifelt werde und sie deshalb ihr Amt nicht mehr ausüben könne. Der Bischöfin war vorgeworfen worden, sie habe auf Missbrauchsvorwürfe gegen einen Pastor in Ahrensburg nicht angemessen reagiert.

"Vertrauensvolle Zusammenarbeit ist mir immer von großer Bedeutung gewesen. Ohne Ehrlichkeit und Offenheit hätte ich meinen Dienst nicht tun können und wollen. Ich habe mich verstanden als eine leitende Geistliche, der für die eigene Nordelbische Kirche und für die Ökumene Verantwortung übertragen wurde", sagte Jepsen. "Ich erwarte, dass die Missbrauchsfälle in Ahrensburg und anderswo zügig aufgeklärt werden und die Wahrheit ans Licht kommt."

"Meine Glaubwürdigkeit wird angezweifelt. Von daher sehe ich mich nicht in der Lage, die frohe Botschaft so weiterzusagen, wie ich es bei meiner Ordination und bei meiner Bischofseinführung vor Gott und der Gemeinde versprochen habe", sagte Jepsen. Die 65-Jährige wirkte äußerlich gefasst, aber verbittert. Fragen der Journalisten waren nach ihrer kurzen Erklärung nicht gestattet.

Zeugin: 1999 mit Jepsen über Missbrauch gesprochen

Dem Pastor wird vorgeworfen, in den 70er und 80er Jahren eine Vielzahl von Jugendlichen sexuell missbraucht zu haben. 1999 wurde der Geistliche aus der Gemeinde genommen, ohne dass diese die Gründe erfuhr. Jepsen gab an, erst vor kurzem von dem sexuellen Missbrauch erfahren zu haben. Dagegen legte vor einer Woche eine Zeugin eine eidesstattliche Versicherung vor, nach der sie bereits 1999 mit Jepsen über den Missbrauch gesprochen haben will.

Nach Jepsens früherer Darstellung in Medien war sie nur über eine Affäre des Pastors mit einer Frau informiert worden. "Das Wort Missbrauch ist nie gefallen, da wäre ich unruhig geworden", sagte sie in einem Interview.

Jepsen war 1992 zur Bischöfin für den Sprengel Hamburg gewählt worden, damit wurde sie zur weltweit ersten lutherischen Bischöfin. Bereits im Februar hatte der Rücktritt der Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Landesbischöfin Margot Käßmann, die evangelische Kirche in Deutschland erschüttert. Käßmann hatte damals die Konsequenzen daraus gezogen, betrunken Auto gefahren zu sein.

(Ag.)