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Flughafen Wien und die AUA: Es geht nicht nur um 20.000 Arbeitsplätze

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Optimale Flugverbindungen sind ein herausragender Standortfaktor für international tätige Unternehmen. Der Neustart des Flugverkehrs in Wien wird spannend.

Bei den Verhandlungen um die Zukunft der AUA geht es auch um den Wirtschaftsstandort Österreich. Optimale Flugverbindungen sind ein herausragender Standortfaktor für international tätige Unternehmen und den Tourismus. Flughäfen und Fluglinien leben von den Fluggästen, in zweiter Linie von der Fracht und darauf basierenden profitablen Zusatzleistungen. Sie stehen jetzt vor Herausforderungen, wie Reisebeschränkungen, Reiseängsten, Hygienemaßnahmen und Mindestabständen zwischen Passagieren. Ihr Geschäftsmodell ist sehr anlagenintensiv, ihre strategische Beweglichkeit kurzfristig äußerst beschränkt. Gewachsene Strukturen sind unter solchen Umständen wirtschaftlich selten überlebensfähig. Das Management braucht freie Hand, die Betriebsräte müssen stark in Richtung langfristiger Unternehmenssicherung denken. Die Situation verlangt nach Kosten- und Strukturanpassungen, teilweise nach Preisanpassungen nach unten. Schwierig, denn wer weiß, ob es eine zweite der dritte Infektionswelle geben wird, wann die neue Normalität erreicht sein wird und wie sie aussehen wird? Gereist wird zukünftig jedenfalls viel weniger werden als vor Covid-19.
 
AUA und Flughafen Wien: eine Schicksalsgemeinschaft? 
Der Anteil der Lufthansa-Gruppe inklusive der AUA an den Gebühren des Flughafens Wien dürfte zuletzt weit über 60 Prozent gelegen sein. Eine extrem intensive Geschäftspartnerschaft, aber auch zwangsläufig eine Schicksalsgemeinschaft? Nur mit Abstrichen, denn die Lufthansa muss entscheiden, ob sie Wien als ihren dritten Hub nach Frankfurt und München aufrechterhalten will, möglicherweise aufrechterhalten kann. Bündelungseffekte bei gesunkener Passagieranzahl sprechen dagegen und ihre großen Konkurrenten aus den Golfstaaten arbeiten mit wesentlich niedrigeren operativen Kosten. Das Drehkreuz Wien braucht seine regionalen Antennen zu den schwächer angebundenen Regionen Osteuropas. Nur wenn die Regionalfunktion des Standortes erhalten bleibt, rentiert sich auch die Langstrecke. Beides zusammen zieht Passagiere und Fracht an, bedarf aber der Konzentration auf einen Core-Carrier und eines kapazitätselastischen Flughafens.
 
Spannender Neustart in Wien
Neue Karten, neues Spiel. Der Neustart in Wien wird spannend, birgt naturgemäß auch Chancen. Die aufstrebenden Wirtschaftsstandorte Budapest und Prag sind zu starken regionalen Rivalen herangewachsen. Die historische Position Wiens hat als solche an Wert verloren. Bei der Fracht spielen jetzt die Kosten die entscheidende Rolle. Es geht nicht nur um die 20.000 Arbeitsplätze der Flughafenregion, sondern um den Wirtschaftsstandort Österreich, dessen Arbeitsplätze, Steueraufkommen und Wohlstand. Unschätzbar groß ist die Bedeutung des Flughafens Wien und seines Home-Carriers AUA. Ohne Standortgarantie für den Hub Wien und fundamentale Restrukturierung der Kostenbasis wirken staatliche Unterstützungen aber leider nicht nachhaltig.


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