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Mein Samstag

Maskenzählen

Da das Kind und ich nun wieder ein bisschen mehr unterwegs sind, haben wir eines unserer alten Hobbys wiederaufgenommen: Als das Kind noch kleiner war, haben wir nämlich gern Menschen beim Spazierengehen gezählt, die irgendeine Besonderheit hatten.

Also zum Beispiel alle mit roter Haube. Oder, überhaupt unser beliebtestes Zählspiel: Hunde mit Pullover (im Winter sehr viele!). Aktuell zählen wir Menschen, die die Atemschutzmasken falsch tragen, dabei sind jene Spezialisten am häufigsten anzutreffen, die die Maske zwar über dem Mund, aber unter der Nase tragen. Während einer kleinen Shoppingtour begegnet man da locker zehn bis fünfzehn dieser Mund-Kinn-Maskenträger. Mangels mathematischen Talents kann ich das jetzt nicht auf die Gesamtbevölkerung hochrechnen, aber es ist schon erstaunlich, dass ein gewisser Anteil an Menschen das doch recht simple Maskenaufsetzen nicht zusammenbringen kann oder will.

Derartige Zählaufgaben können übrigens auch den Aufenthalt im Gastgarten mit kleinen Kindern etwas unterhaltsamer machen. Mir war ja als (Einzel-)Kind im Gasthaus immer völlig unklar, wieso man nicht nach dem Essen sofort aufsteht und geht und die Erwachsenen immer noch endlos sitzen bleiben wollten. Als das Kind noch kleiner war, haben wir uns öfter mit einer Kindergartenfreundin und deren Mama am Yppenplatz im wunderbaren Mani getroffen. Den Kindern war da schnell fad, weshalb wir sie mit einem Zählauftrag rüber zu den Marktständen geschickt haben. Während wir in Ruhe austrinken konnten, hatten wir die Kinder im Blick, wie sie Melonen oder Gurken abzählten. Anfangs hat ihnen das Spaß gemacht, irgendwann dann nicht mehr so: Eine Zeit lang hat das Kind dann immer, sobald ich irgendeinen Lokalbesuch angekündigt habe, besorgt gefragt, ob es „dann wieder Melonen zählen muss“. Das Kind findet übrigens, dass ich meine Kolumne nicht immer mit „in diesem Sinn“ beenden sollte, weil das langsam fad ist. Daher fällt dieser kleine Tick diesmal weg. Diesmal also ganz ohne in diesem Sinn: Bleiben Sie weiter gesund.

E-Mails an: mirjam.marits@diepresse.com

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.05.2020)