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Typologie der Maskenträger

Es gibt solche und solche. Naturgemäß trifft das auf fast alles im Leben zu, was kreucht und fleucht und sich zur Distinktion eignet. Die Maskenträger und wie sie sich präsentieren – für die Psychologie erschließt sich ein weites Feld.

Abgesehen von Kreativen und Selbstbastlern, die ihren Individualismus zur Schau stellen, abgestimmt mitunter auf Bluse oder Krawatte. Und den „Risikopatienten“ mit Plexiglas-Visier im Schweißer-Look.

Da gibt es die Autofahrer, die mit Mundschutz unterwegs sind, selbst allein. Es sind die Vorsichtigen, Folgsamen, Autoritätshörigen. Oder die „Herrenfahrer“, die in grauer Vorzeit Handschuh und Hut hinter dem Volant trugen, als würden sie zu einem Sonntagsausflug aufbrechen, und jetzt stolz ein neues Accessoire ausführen. Und dann natürlich die Saloppen, die den Mundschutz auf dem Rückspiegel baumeln lassen wie einen Duftbaum.

Apropos lässig. Die Coolsten unter den Coolen sind jene, die ein Bandana als Halstuch tragen, um es nachlässig hochzuziehen. Dann die Verhaltensoriginellen, die die Maske zwischendurch als Stirn- oder als Kehlkopfwärmer zweckentfremden. Und nicht zuletzt jene, die den Mundschutz nonchalant ums Handgelenk hängen wie eine (Männer)-Handtasche, wie dies neulich der Vizekanzler bei einer Pressekonferenz vorexerziert hat. (vier)

Reaktionen an: thomas.vieregge@diepresse.com

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.05.2020)