Amtsblatt. Bis 15.9. soll ein Käufer für das IT-Portal gefunden werden, das der ORF nicht betreiben darf.
Im Amtsblatt der Wiener Zeitung stand am Freitag die Zukunft der ORF-Futurezone ausgeschrieben: Der öffentlich-rechtliche Sender bietet sein IT-Portal zum Kauf an – er selbst darf es mit Inkrafttreten des ORF-Gesetzes nicht mehr betreiben. „Der ORF beabsichtigt, www.futurezone.at bis längstens 15.9.2010 zu veräußern“, heißt es im Amtsblatt. Zum Verkauf stehen Internetadresse, Marke, Design und technologische Elemente der Futurezone. Das Personal verbleibt beim ORF. Bis Ende September muss der ORF seine Futurezone zusperren – er darf künftig nur mehr sendungsbezogene (Schwerpunkt-)Themen auf seinen Portalen und in seinen Foren thematisieren. Auch Regionalmeldungen im Internet werden beschränkt, die Online-Werbeeinnahmen werden ab 2016 auf fünf Prozent der Gebühreneinnahmen gedeckelt.
Die Belegschaft lief gegen diese ihrer Ansicht nach „gesetzlich verordnete Amputation“ von ORF On Sturm. Die Community ging auf die Barrikaden und gründete auf Facebook die Initiative „Retten wir die Futurezone“.
Interessenten: Orange und „Standard“
Für den ORF dürfte der Verkauf nicht unbedingt zum schlechten Geschäft werden: Die Internetforen bringen dem ORF zwar regen Besuch aus der Online-Community, sind aber werbefrei und kosten wegen des hohen personellen Aufwands aber laut ORF-On-Geschäftsführer Karl Pachner mehrere 100.000 Euro im Jahr. Onlinedirektor Thomas Prantner begründet die Verkaufsabsicht des ORF laut APA so: „Wir haben derart viele Anfragen, dass wir uns entschlossen haben, einen Verkaufsprozess für die Futurezone zu starten.“ Laut einem Bericht von Pressetext.at sind es neben Medienunternehmen auch einige Interessenten aus der Telekombranche, die sich für das IT-Portal interessieren. Genannt werden unter anderem der Mobilfunkbetreiber Orange und „Der Standard“ – Letzterer hat sein Interesse bestätigt.
Auch wenn der ORF sein IT-Portal zusperren muss, soll weiterhin über technologische Neuerungen auf ORF On berichtet werden, sagt der ORF. Die Facebook-Initiative für die Futurezone ist jedoch skeptisch, dass der ORF seine IT-Berichterstattung im bisherigen Ausmaß erhalten kann, zumal ihm künftig per Gesetz eine „vertiefende“ Online-Berichterstattung verboten ist.
Community will Futurezone weiterführen
In der Community wird nun überlegt, das Portal als Genossenschaftsprojekt weiterzuführen, um „so viel wie möglich“ zu erhalten, so einer der Initiatoren, Michael Eisenriegler, laut Pressetext.at. Der ORF schließt eine Übergabe an die Community derzeit aus.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.07.2010)