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Abschied

Steirischer Altbischof Johann Weber verstorben

++ ARCHIVBILD ++ STEIRISCHER ALTBISCHOF JOHANN WEBER IM 94. LEBENSJAHR VERSTORBEN
Johann Weber (l.) und Christoph Schönborn, aufgenommen im Jahr 1998APA/ROBERT JÄGER
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Der langjährige Grazer Diözesanbischof Johann Weber ist in der Nacht auf Samstag verstorben.

Die Diözese Graz-Seckau und mit ihr die österreichische Kirche trauern um ihren Altbischof Johann Weber. Der langjährige Grazer Diözesanbischof und frühere Vorsitzende der Österreichischen Bischofskonferenz ist in der Nacht auf Samstag im 94. Lebensjahr in Graz verstorben, wie die Diözese mitteilte. Weber hatte sich seit Mittwoch auf der Intensivstation des Landeskrankenhaus Graz befunden.

Sein Zustand hatte sich kurzfristig stabilisiert, man war sogar optimistisch bezüglich einer Besserung gewesen, wie es am Samstag hieß. In der Nacht auf Samstag starb der beliebte Altbischof jedoch. Weber hatte im April seinen 93. Geburtstag gefeiert.

In seine Amtszeit als Vorsitzender der Bischofskonferenz fielen u. a. die Aufräumarbeiten nach den Missbrauchsvorwürfen gegen Kardinal Hans Hermann Groer. In der Steiermark wirkte er noch lange als einfacher Pfarrer.

Kardinal Christoph Schönborn sagte am Samstag, "es war ein Glück für die Kirche in Österreich, dass Bischof Weber ab 1995 an ihrer Spitze stand". Weber habe in der schweren Zeit nach der Causa Groer und dem Kirchenvolksbegehren die Kirche sehr gut geleitet, sagte Schönborn der Agentur Kathpress. In den kirchlich schwierigen 1990er-Jahren habe sich Weber immer als "ein weiser, kluger, ausgleichender und zugleich engagierter und mutiger Bischof bewiesen". Sein ganzes Geschick habe Bischof Weber dann im Rahmen des von ihm initiierten "Dialogs für Österreich" beweisen können, so der Kardinal. Erste persönliche Erfahrungen mit Weber habe Schönborn von 1973 bis 1975 machen können. Damals hatte er als Studentenkaplan neben dem damaligen Studentenpfarrer Egon Kapellari (Webers Nachfolger, Anm.) in Graz gewirkt. "Ich habe ihn schon damals als einen sehr menschennahen und beliebten Bischof erlebt", sagte der Kardinal.

„Bischof der kleinen Leut“ 

Weber, der 56. Bischof der Diözese Graz-Seckau, habe zuletzt noch gemeint, „er blicke voll Dankbarkeit auf sein Leben zurück und sei bereit, über die letzte Brücke zu gehen“, wie die Diözese in einer Aussendung am Samstagmorgen berichtete. Diözesanbischof Wilhelm Krautwaschl zeigte sich tief betroffen. „Seine Herzlichkeit, seine Offenheit und sein tiefer Glaube waren über Jahrzehnte das Rückgrat unserer Diözese. Er hat Generationen von Menschen und unsere Steiermark geprägt.“

Auch Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer (ÖVP) zeigte sich tief betroffen vom Ableben des Altbischofs. „Bischof Johann hat in den Herzen der Steirerinnen und Steirer einen ganz besonderen Platz. Er war über Jahrzehnte das geistliche Herz einer aufblühenden Steiermark. Sein aufbrechender offener Geist verpflichtet dem 2. Vatikanischen Konzil prägte als Bischof der kleinen Leut Generationen von Steirerinnen und Steirern.“

Nagl: „Tod geht nahe, weil Bischof Weber immer den Menschen nahe war“ 

Auch der Grazer Bürgermeister Siegfried Nagl zeigte sich vom Tod des Altbischofs ergriffen: „Der Ehrenbürger der Stadt Graz Bischof Weber war ein selbstbewusster Religionsverbinder, der in Demut seine Glaubensbotschaft mit allen in der Bevölkerung teilte. Mit seiner Gabe, Menschen für den Glauben und die Stille des Gebets zu begeistern, wird er uns immer in Erinnerung bleiben. Sein religiöses Wirken und seine Verbinderrolle in der Ökumene in Graz und darüber hinaus bleien uns immer ein Vorbild. Der Tod von Bischof Weber geht mir nahe, da auch Bischof Weber immer den Menschen nahe war.“

Mit dem Wahlspruch „Den Armen die frohe Botschaft zu bringen“ habe sich Bischof Weber von Anfang das Handeln der Caritas zu einer wesentlichen Dimension seines seelsorgerischen Wirkens gemacht, sagte Caritas-Direktor Herbert Neiglböck: „Ganz nahe bei den Menschen und bei Gott, aufmerksam und interessiert für unsere Arbeit  war er der Caritas bis zuletzt verbunden. Persönlich war er mir Weggefährte, ein Wort, das er gerne gebrauchte, der mich entscheidend geprägt und behutsam begleitet hat.“ 

(Red./APA)