Der Hamburger Hafen ist einer der wichtigsten Umschlagplätze in Europa für die Logistik.
Logistik

Wie die Coronapandemie die Welt der Logistik durchschüttelt

Österreicher bekommen so viele Pakete wie sonst nur zu Weihnachten. Für Logistiker ist das kein Grund für Jubel. Die Grenzen sind teilweise noch zu, Flugzeuge am Boden, viele Containerschiffe leer. Der zaghafte Abschied von Stillstand und Isolation reicht für die erhoffte Rückkehr in die Normalität nicht aus.

Seit vergangenen Donnerstag kümmert sich in Österreich auch das Militär darum, dass die Pakete rechtzeitig in den Haushalten ankommen. Nach einer Reihe von Covid-19-Erkrankungen in ihren Verteilzentren in Hagenbrunn und Groß-Inzersdorf hat die heimische Post Soldaten angefordert, um den Betrieb in den beiden wichtigen Paketdrehscheiben am Laufen zu halten. Der ungewöhnliche Militäreinsatz ist nur ein kleines Beispiel dafür, wie die Coronapandemie die einst so sichere Welt der Logistik durchschüttelt. Plötzlich ist es nicht mehr selbstverständlich, wenn Lieferketten reibungslos funktionieren. Spediteure, Logistikbetriebe und Lieferanten glauben an ein besseres Image nach der Krise – wenn sie bis dahin nicht unter der Last zusammenbrechen.

Noch dominieren die Jubelmeldungen: Seit die Menschen vorwiegend daheim sitzen und ihren Einkauf ins Netz verlagern, trägt die Post so viele Pakete aus, wie sonst nur zu Weihnachten. Der amerikanische Onlineriese Amazon will 100.000 neue Mitarbeiter einstellen, um den Ansturm der Kunden zu überstehen. Eine Branche im Aufschwung, also? „Es stimmt, wir haben alle Hände voll zu tun“, sagt Peter Umundum, Vorstand für Paket und Logistik bei der Post. Doch das ist nur ein kleiner Ausschnitt der Realität. Die meisten der 160.000 Menschen, die in Österreich in der Logistikbranche arbeiten, klingeln nicht mit einem Paket in der Hand an Haustüren. Ihre Probleme beginnen nicht erst mit den Coronaclustern in heimischen Paketverteilzentren. Sie beginnen weit hinter der Grenze – und sie beginnen früh.