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Glosse

Instant-Schanigärten

Wiens grüne Verkehrs-, Stadtentwicklungs- und Klimaschutz-Stadträtin Birgit Hebein hat derzeit (im Jahr der Wien-Wahl) viel vor. Sie versucht die Hauptstadt zu retten. Vor der Klimakrise, der Coronakrise und der Wirtschaftskrise. Sie wandelt Autostraßen in Begegnungszonen um. So haben Fußgänger mehr Platz zum Abstand-Halten. Sie wandelt Fahrstreifen in „Pop-up-Bikelanes“ um. So haben Radfahrer mehr Platz zum Radfahren. Sie wandelt die Hitzezonen der Millionenmetropole in „coole Straßen“ um – mit Sprühnebel und Rasenteppich.

Nun möchte sie (und die Wirtschaftskammer will das auch) so etwas wie Pop-up-Schanigärten schaffen. Bestehende Freiflächen vor Wiener Lokalen sollen vergrößert werden. Anders gesagt: Wo heute Autos parken, könnten wir morgen schon unterm Sonnenschirm sitzen – beim Kaffee oder beim G'spritzten. Die zuletzt darbenden Wirte könnten wieder so viele Tische aufstellen wie in der abstandsarmen Vor-Corona-Zeit.

Man mag Hebeins Aktivitäten verfehlt finden. Oder belächeln. Aber eines muss man ihr, der Wiener Vizebürgermeisterin, lassen: Sie macht etwas.

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.05.2020)