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Nachruf auf Jimmy Cobb

Ein Schlag, dann ein sanftes Zischen

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Jimmy Cobb(c) APA/AFP (RAFA RIVAS)
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Jazz-Schlagzeuger Jimmy Cobb ist 91-jährig gestorben. Er spielte auf dem Miles-Davis-Album „Kind Of Blue“.

Das bestverkaufte Jazzalbum aller Zeiten ist ein ruhiges, ganz und gar nicht „kommerziell“ klingendes Meisterwerk: „Kind Of Blue“ von Miles Davis aus dem Jahr 1959. Das bekannteste Stück darauf ist „So What“, was auf Deutsch soviel bedeutet wie „Na und“. Nach einer scheinbar ziellosen Einleitung setzt ein rhythmisch markantes Bassthema ein, auf das Klavier und Bläser mit einem knappen Motiv antworten, sechzehn Mal wird das wiederholt, die Spannung steigt, bis das Trompetensolo beginnt, nein: ausbricht. Betont wird dieser – natürlich coole – Ausbruch durch einen jähen Schlag auf ein Crash-Becken, der nicht gestoppt wird, sondern ganz allmählich abklingt, übergeht in das kontinuierliche, nur sanft akzentuierte Zischen, das fortan bleibt, wie ein Schatten der Melancholie. Schlagzeuger Jimmy Cobb soll dieser ungewöhnlich laute Schlag beim Anhören der Aufnahme peinlich gewesen sein, doch Miles Davis beruhigte ihn: Nein, das sei ganz richtig so.

Es war richtig so, wer dieses Album, dieses Stück liebt – und es wurden über die Jahrzehnte immer mehr, die Groove-Jazzer der Neunziger etwa schätzten es über die Maßen –, wartet bei jedem Hören auf diesen Schlag. Jimmy Cobb, der ihn gesetzt hat, hat unzählige andere Nummern begleitet, so subtil wie möglich, so kräftig wie nötig, hat ab 1998 auch als Leader eigener Bands den Modern Jazz seiner Jugend gepflegt, doch sein markantester Eintrag in die Jazzgeschichte war und ist „Kind Of Blue“. Nun ist er gestorben, mit 91 an Lungenkrebs, als letzter der Musiker, die dieses Album eingespielt haben, und nicht einmal Miles Davis würde darauf sagen, was er sonst so gern sagte: So what?