Schnellauswahl
Outdoor im Urlaub

Hauptsache draußen sein

über Nacht. Um allein mitten in der Natur zelten zu können, wird man wohl nach Schweden müssen: In Skandinavien erlaubt es das Jedermannsrecht.
über Nacht. Um allein mitten in der Natur zelten zu können, wird man wohl nach Schweden müssen: In Skandinavien erlaubt es das Jedermannsrecht.(c) Lucas Günther/imagebank.sweden.se
  • Drucken

Die Natur der Coronakrise bringt es mit sich, dass sich die meisten nicht nach extra viel Tuchfühlung im Urlaub sehnen. Freiraum im Grünen ist das Gebot der Stunde.

Manche Dinge brauchen erst einen Namen, um gehypt zu werden. Seit einiger Zeit etwa macht outdoor das „Wildswimming“ die Runde. Man steigt in ein nicht für den Badebetrieb vorgesehenes Gewässer. Nun: Wild gebadet haben wir schon früher, in einem einsamen Teich, in einer blauen Lacke am Berg, in einem Gumpen im Wildbach, manche haben sich gar in einem Fluss treiben lassen oder einen Pool aus dem Eis gestanzt. Die Idee, entlegene Wasserstellen zu nutzen, ist jedenfalls eine feine Sache – vo­­raus­gesetzt, man hat Gelände und Risken sehr genau gecheckt. Sprich: Das Gewässer ist sicher und sauber, birgt keine Überraschungen wie etwa Besitzstörungs­klagen. Auch wenn man dann locker hineinspringt, ist Begleitung durch eine Schwimmboje anzuraten. Im Netz wird man viele Tipps und Orte zu Wildswimminig finden, literarisch inspiriert von Jessica J. Lees „Mein Jahr im Wasser“ (Piper Verlag). Die Autorin hat rund um Berlin alles beschwommen, egal, wie kalt es war.

Gletscher schauen, so lange es sie noch gibt

Dass Temperaturen nur eine Frage von Neopren und Abhärtung sind, beweisen Schwimmer (!) übrigens im Natureispalast im Hintertuxer Gletscher. Halb so frostig scheint dort eine kurze Stand-up-Paddle-Tour über den intraglazialen Eissee (die Bretter sind angeblich so gutmütig, dass sie einen nicht abwerfen).

Sehen und bestaunen, so lang es sie noch gibt in diesem Ausmaß: Gletscher wie im Nationalpark Hohe Tauern, hier in Osttirol.
Sehen und bestaunen, so lang es sie noch gibt in diesem Ausmaß: Gletscher wie im Nationalpark Hohe Tauern, hier in Osttirol.(c) Nationalpark Hohe Tauern/Fabian Dalpiaz

Wobei Gletscher von außen zu betrachten vielleicht noch das größere Gebot unserer Zeit ist, denn die Klimaerwärmung dampft sie jährlich um viele Meter zusammen, das darf beziehungsweise sollte man sich etwa im Nationalpark Hohe Tauern (verteilt auf Kärnten, Salzburg und Osttirol), am Dachstein, im Kauner- und im Pitztal oder am Kitzsteinhorn anschauen – aus dem Respektabstand des Wanderers oder direkter am Seil als Teilnehmer einer geführten Bergtour.
Idealerweise verdichtet sich das, was man in der Natur gesehen hat, mit dem, was man über sie weiß: In den Nationalparks zeigen einem Ranger die Stellen, wo Bartgeier wohnen, sich Steinböcke aufhalten oder Luchse in eine Fotofalle tappen.

Mit dem Fernglas auf freier Wildbahn

Früh aufstehen, warm anziehen, ein gutes Fernglas oder Spektiv nehmen die Birder mit, die in unseren Breiten Zuwachs bekommen: Im Morgengrauen sind viele Vögel unterwegs, die sich untertags kaum zeigen. Der Hotspot schlechthin in Österreich ist der Nationalpark Neusiedler See-Seewinkel. Sollten die Grenzen wieder aufgehen, wären die Lagunen an der oberen Adria ein nahes, wäre Kasachstan ein fernes Ziel für Birdwatcher.

Die europäische Variante der Safari: In Estlands Wäldern hat man Gelegenheit, geführt von Rangern, Bären zu treffen.
Die europäische Variante der Safari: In Estlands Wäldern hat man Gelegenheit, geführt von Rangern, Bären zu treffen.Zdenek Machacek/Unsplash


Weil das Interesse an Naturerlebnissen im Urlaub grundsätzlich gestiegen ist, führen Safaris europäischen Zuschnitts nun zu Bären und Wölfen (wie etwa in Estland oder in der Hohen Tatra). Da Sonnenschirmplantagen und Buffetschlangen heuer keine Ferienoption sind, führt dies vielleicht zu mehr menschlichen Begegnungen da draußen in der freien Wildbahn. Doch es ist Platz genug, und wenn man nur weit genug geht oder radelt, ist man allein auf weiter Flur.
Nur das geht nicht, auch wenn’s verlockend wäre: Im Freien schlafen sprich wild zelten. In Skandinavien, so wir denn wieder dorthin reisen können, wäre das gestattet, natürlich mit Abstand – zu den Häusern.

(mad)