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Arzt verließ OP: „Wüsste nicht, bei wem ich mich entschuldigen sollte“

Symbolbild.
Der Chirurg verließ den OP für Termine in seiner Privatordination und kam nach rund 45 Minuten zurück. In der Zwischenzeit übernahm ein Assistenzarzt.(c) REUTERS (REGIS DUVIGNAU)
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Der Herz-Thorax-Chirurg, der in Linz eine Operation verließ, um Termine in seiner Privatordination wahrzunehmen, ist sich keiner Schuld bewusst. Er bekämpft seine Entlassung und will künftig wieder im Kepler Universitätsklinikum arbeiten. Dafür rechnet er mit Rückendeckung aus der Politik.

Er habe keinen Fehler gemacht, werde sich bei niemandem entschuldigen und sei nur durch seine „Hilfsbereitschaft und eine Verquickung von unglücklichen Umständen“ in diese Situation gekommen. Darüber, wie die Klinikleitung mit ihm umgehe, sei er „entsetzt“ und „wahnsinnig enttäuscht“. Das sagt der auf Herz- und Thorax-Operationen spezialisierte Chirurg, der am 5. Mai im Linzer Kepler Universitätsklinikum (KUK) eine Operation verließ, um zwei Termine in seiner nahegelegenen Privatordination wahrzunehmen.

Der 77-jährige Patient, der mit einem Aortariss eingeliefert worden war, starb noch vor Beendigung des Eingriffs an einem Herzinfarkt. Obwohl eine Obduktion bisher keinen eindeutigen kausalen Zusammenhang zwischen dem Tod des Mannes und dem Verhalten des Arztes ergab, wurde er zunächst suspendiert und wenige Tage später wegen „schweren Dienstpflichtverletzungen“ entlassen. Dagegen geht er nun vor. Denn er sei sich keiner Schuld bewusst, schließlich habe es bei der Übergabe an die beiden Assistenzärzte keinen Hinweis auf Komplikationen gegeben, im Operationszimmer nebenan habe sich zudem ein weiterer Oberarzt befunden, der im Notfall jederzeit hätte eingreifen können.

„Ich war zum ersten Mal in so einer Zwickmühle, letztlich wollte ich es allen recht machen“, sagt der Chirurg im „Presse“-Gespräch. „Wie die ganze Sache lief, ist sehr sehr unglücklich.“