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Experten sehen Goldpreis Ende des Jahrzehnts bei 4800 Dollar

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Fondsmanager Stöferle: "Das Coronavirus war nur der
Brandbeschleuniger der überfällige Rezession." Silber, Rohstoffe und Minenaktien seien extrem unterbewertet.

Mit der Coronakrise haben viele Länder jegliche Budgetdisziplin über Bord geworfen. "Die Finanzierung der Defizite durch die digitale Druckerpresse ist ein hervorragendes Umfeld für Gold", sagt der Fondsmanager Ronald-Peter Stöferle und prophezeit bis Ende dieses Jahrzehnts einen Anstieg des Goldpreises auf 4800 US-Dollar (4374 Euro).

Die Probleme, die während der Coronakrise zutage treten, hätten unter der Oberfläche schon lange gebrodelt, sagte Stöferle am Mittwoch bei der Präsentation des diesjährigen Reports "In Gold We Trust" des Vermögensverwalters Incrementum AG. "Die geldpolitische Normalisierung ist gescheitert, das Coronavirus war nur der Brandbeschleuniger der überfälligen Rezession", so Stöferle.

Derzeit kontrahiere das Geldsystem, weil jeder versuche Investitionen aufzuschieben. "Insofern ist so eine Krise ganz stark deflationär, und das wollen die Notenbanken kompensieren mit ihren inflationären Maßnahmen. Sollte dann aber die Inflation überhandnehmen, dann stecken die Notenbanken in einer Zwickmühle, meint Stöferle: "Wir werden uns langfristig höhere Realzinsen auf Grund der bereits erreichten Schuldenniveaus nicht mehr leisten können."

Insgesamt spreche das wirtschaftliche Umfeld für einen stark steigenden Goldpreis, sagte Stöferles Partner bei Incrementum und Co-Autor des 350 Seiten starken Gold-Reports, Mark Valek. Bereits im vergangenen Jahr habe Gold in nahezu allen Währungen außer dem US-Dollar neue Allzeit-Hochs erreicht. "Auch im laufenden Kalenderjahr haben wir wieder zweistellige Performance-Zahlen." Aktuell kostet die Unze 1706 Dollar.

Notenbanken decken sich ein

Langfristig würden Fiat-Währungen immer gegenüber Gold an Wert verlieren, weil immer mehr Geld in Umlauf komme, die Goldmenge aber begrenzt sei. "Per Mitte Mai wurden seitens der Fiskal- und Geldpolitik 20,4 Billionen US-Dollar in die Märkte gepumpt", so Stöferle. "Das sind 23,6 Prozent der Weltwirtschaftsleistung. Wenn man es in Relation zu Gold setzt, dann ist es circa die zweifache Marktkapitalisierung von Gold, von diesen 190.000 Tonnen Gold, die im Laufe der Jahrhunderte und Jahrtausende zutage gefördert wurden." Diese zusätzliche Geldmenge entspreche dem 124-fachen der jährlichen Goldförderung.

Für einen steigenden Goldpreis würden auch die niedrigen Anleihenzinsen sprechen, sagte Stöferle. Das Argument, das Gold keine Zinsen abwerfe, greife in einem Umfeld negativer Anleihenzinsen nicht mehr. "Was passiert mit den knapp 14 Billionen US-Dollar in negativ verzinsten Anleihen, wenn die Inflation zum Thema wird?" Der Betrag entspreche dem kombinierten BIP von Japan, Deutschland, Indien und des Vereinigten Königreichs. "Wenn die Inflation zum Thema wird, dann wird viel Kapital aus den negativ verzinsten Anleihen vermutlich in die Aktienmärkte gehen und in Immobilien, aber auch in den Goldmarkt."

Die Notenbanken hätten im vergangenen Jahr massiv Gold zugekauft - nicht nur jene der Türkei und Russlands, sondern etwa auch Polen habe 100 Tonnen Gold gekauft und einen Großteil seiner Goldreserven aus London nach Warschau zurückgeholt.

Unterbewertet seien im Vergleich zu Aktien derzeit Rohstoffe, sagte Stöferle. Der Goldman Sachs Commodity Index (GSCI) sei auf dem niedrigsten Stand seit 1960. "Extrem attraktiv bewertet" seien auch Minenaktien.

Silber sei im Vergleich zu Gold ebenfalls extrem billig, sagte Valek. "Man bekommt derzeit über hundert Unzen Silber für eine Unze Gold." Im Gegensatz zu Gold sei bei Silber aber auch die Industrie ein wesentlicher Nachfragetreiber, und Silber sei viel konjunktursensitiver als Gold. "Silber ist etwa dreimal so volatil wie Gold".

(APA)