Oder: Warum es sich so trefflich plaudert von "Präsident" zu "Präsident".
Im Frühstücksfernsehen deutscher Privatsender sind sie besonders beliebt: die virtuellen Anführungszeichen, die sonst an ein Kaffeehäferl geklammerte ModeratorInnen immer dann in die Luft zeichnen, wenn sie etwas ironisch meinen. Während sie Gänsefüßchen deuten, machen sie meist noch Grimassen oder zwinkern mit den Augen, damit auch hundertprozentig sicher ist: Achtung, da ist jetzt ein kleines Witzchen drinnen!
Wäre man Mäuschen gewesen, als sich diese Woche die Bundespräsidenten von Deutschland und Österreich, Christian Wulff (ja, der hat es uns angetan) und Heinz Fischer, hinter der Tapetentür in der Wiener Hofburg getroffen haben, hätte man vielleicht Folgendes gehört: „Hallo, Herr ,Präsident‘“, hat der eine zum anderen gesagt, und beim Wort „Präsident“ haben beide Gänsefüßchen gemacht und dabei laut gelacht.
Danach hat man sich ausführlich über „echte“ Präsidenten wie Barack Obama oder Nicolas Sarkozy unterhalten, darüber sinniert, warum es schon auch schön wäre, eine Krone zu haben wie die Queen oder der Señor aus Spanien. Oder eine Frau wie Carla.
Danach wurde unter anderem auch geplaudert über Konkurrentinnen um das Bundespräsidentenamt und ihre vielen Kinder, Niederösterreich und -sachsen, über den Haubenhaarwuchs von Joachim Gauck, über die schwachen Nerven von Horst Köhler, über Margit und Bettina, Angela und Werner, Bellevue und Hofburg, Kanzleramt und Ballhausplatz, Lena und Christina, Jogi und Didi, Spittel- und Prenzlauerberg, dies und das also, und ehe man sich's versah, war sie auch schon verplaudert, die gute Stunde, die sich Christian für Heinz Zeit genommen hatte.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.07.2010)