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Eigenverantwortung: Soll Österreich jetzt den schwedischen Weg gehen?

Österreich hat die Ausbreitung von Covid-19 bisher erfolgreich bekämpft. Aber: Sind die Österreicher bereit für mehr Eigenverantwortung? Diskutieren Sie mit.

Mehr Eigenverantwortung, weniger Regeln: Das ist die Parole, die Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) diese Woche ausgegeben hat. Wie genau das neue, vereinfachte Regelwerk aussehen soll, ist noch unklar. Am Freitag werden Details bekanntgegeben.

Ist Österreich bereit für mehr Eigenverantwortung? Ein Land, das von Anfang an darauf gesetzt hat, ist Schweden. Kolumnist Karl-Peter Schwarz meint dazu: Schweden habe vieles falsch gemacht, manches aber auch besser. „Mit dem Virus werden wir noch lange leben müssen. Die verantwortliche Selbstbestimmung dürfen wir uns von ihm nicht nehmen lassen“, so Schwarz. Und weiter: Es zieme sich für eine „freie Gesellschaft, dass die Bürger aus Einsicht in die Gefahr ihr Verhalten ändern und nicht unter Androhung staatlicher Gewalt.“ Kolumnist Christian Ortner schrieb bereits an anderer Stelle pointiert: „Eigenverantwortung entsteht nicht dort, wo die Politik den Souverän behandelt wie eine debile Schafherde".

Auch Neos-Chefin schreibt in einem Gastkommentar: „Ein selbstbewusster Staat appelliert an die Eigenverantwortung der Menschen, bevor er sie mit Verordnungen und Maßnahmen erschlägt“.

Aber kann man Österreich wirklich mit dem weltweit fast einzigen Land vergleichen, das in er Coronakrise auf staatlichen Zwang weitgehend verzichtet? Karl Gaulhofer geht der Frage nach, wie die Schweden zu ihren Werten kamen - einer „seltsamen Mischung aus Gemeinsinn und Individualismus.“ Gaulhofer schreibt in seiner Analyse: Forscher seien in Schweden überzeugt, staatliches „Misstrauen in Form von übermäßiger Kontrolle“ untergrabe die „Überzeugung, dass wir in einer Gesellschaft leben, die von gegenseitigem Vertrauen und Zuverlässigkeit geprägt ist“.

Manche zweifeln jedenfalls an der Eigenverantwortung der Österreicher, etwa wenn sie die Menschenmassen am Wiener Donaukanal sehen. Heide Rampetzreiter fragt sich dazu in einer Glosse: „ Muss man dieses Risiko wirklich eingehen? Es könnte einen Jemand annießen, wer zu später Stunde aus der fremden Bierdose trinken, etc. Ungefährlich ist es derzeit nirgends, wo viele Menschen aufeinander treffen.“ Und Querschreiberin Andrea Schurian ist in einem Debatten-Beitrag ebenfalls dankbar für die (zu Beginn sehr strikten) Maßnahmen der Regierung: „Rechtfertigt der Zweck die Mittel? Mitunter“, meint sie.

Über Eigenverantwortung philosophiert auch die Lehrerin Andrea Vanek-Gullner in einem Gastkommentar: "Die Regeln einzuhalten, sich legal zu verhalten, ist wichtig, damit das Miteinander funktioniert. Aber das entbindet uns nicht der Eigenverantwortung, der Notwendigkeit, uns selbst immer wieder die Frage nach 'Richtig oder Falsch' zu stellen."

(sk)

Diskutieren Sie mit: Hat Österreich in der Krise bisher zu wenig auf die Eigenverantwortung der Bürger gesetzt? Gibt es zu wenig Vertrauen? Oder droht eine „zweite Welle“, wenn zu wenig kontrolliert und reguliert wird? Und: Können wir etwas von Schweden lernen?