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 Ischgl: „Ground Zero“ für deutsche Corona-Ausbreitung

CORONAVIRUS: TIROLER QUARANTAeNEGEBIETE WIEDER FREI
IschglAPA/EXPA/JOHANN GRODER
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Je kürzer der Anfahrtsweg nach Ischgl liegt, desto höher war die Infektionsrate in der jeweiligen deutschen Stadt, fand eine Studie heraus.

Der Tiroler Ort Ischgl ist – nicht nur für den Vizekanzler – zum Symbol für einen verantwortungslosen Umgang mit dem Coronavirus geworden. Viele Länder Europas machten Ischgl für die Verbreitung des Virus verantwortlich. Nun wurde in einer Studie wissenschaftlich untersucht, welchen Einfluss die Rückkehrer aus dem Skiort tatsächlich auf die Infektionsraten in Deutschland hatten. Das Fazit: Ischgl sei der „Ground Zero“ der deutschen Corona-Verbreitung.

Vorgenommen wurde die Studie vom Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW). Für die Forscher wird der Ischgl-Effekt vor allem an einer Kennziffer deutlich: die Nähe. Je näher deutsche Städte und Gemeinden am Tiroler Skiort sind, desto stärker waren sie vom Coronavirus betroffen, berichtete "Spiegel Online" am Mittwoch.

"Schon ein um zehn Prozent kürzerer Anfahrtsweg nach Ischgl erhöht die Infektionsrate im Durchschnitt um neun Prozent", sagte IfW-Präsident Gabriel Felbermayr. "Andersherum bedeutet das auch: Lägen alle deutschen Kreise so weit weg von Ischgl wie der Kreis Vorpommern-Rügen, gäbe es in Deutschland fast 50 Prozent weniger Infektionen mit dem Coronavirus", erklärte der gebürtige Oberösterreicher Felbermayr.

Die Zeit spielte hier offenbar keine Rolle: "Über die Zeit gesehen, ist der Effekt für Ischgl mehr oder weniger konstant", hieß es in der Mitteilung des Instituts. Zudem sei von anderen Corona-Hotspots kein vergleichbarer Einfluss auf das Infektionsgeschehen in Deutschland ausgegangen.

Die langsame Reaktion auf die ersten Hinweise in Ischgl seien „fatal“ gewesen, sehen sich die IfW-Forscher mit ihrer Studie bestätigt. Daten vom 20. März hätten gezeigt, dass ein Drittel aller Fälle in Dänemark und ein Sechstel aller Corona-Infektionen in Schweden auf den Skiort zurückzuführen seien.

>> Zur Studie

>> Zum Bericht von „Spiegel Online"

(APA)