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Diplomatie

Eklat um türkischen Botschafter in Österreich wegen Äußerung über Christen

Oezkan Ceyhun
Botschafter Ozan Ceyhun Anfang März im Gespräch mit der "Presse".Michèle Pauty
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Ozan Ceyhun werden herabwürdigende Aussagen bei einem türkischen Treffen in Wien vorgeworfen. Er fühlt sich missverstanden, wurde aber vom Integrationsministerium vorgeladen. Dieses will die Veranstaltung auch prüfen lassen.

Der Botschafter der Türkei in Österreich sorgt durch eine öffentliche Äußerung bei einer Veranstaltung während des Fastenmonats Ramadan, der vor rund einer Woche zu Ende gegangen ist, für Empörung und einen diplomatischen Eklat.

In einem dem "Oberösterreichischen Volksblatt" kürzlich zugespielten Video ist demnach Botschafter Ozan Ceyhun zu hören, wie er neben diversen Lobpreisungen des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan und der islamistischen Muslimbrüderschaft sagt:

"Die (Christen, Anm.) gehen in egoistischer Manier, ziehen sich in ihre vier Wände zurück und verteilen keine Geschenke, wie wir das tun."

Dem Volksblatt gegenüber bestritt der 59-jährige Diplomat zunächst, die mithin als christenfeindlich verstandenen Aussagen so getätigt zu haben, obwohl sie laut der Zeitung von zwei Muttersprachlern anhand der Tonaufzeichnung übersetzt worden sind. Mittlerweile räumt er sie ein: Nach Kritik ob der Äußerungen bedauerte Ceyhun, dass seine Rede bei besagter Ramadan-Veranstaltung, die in Wien stattgefunden hatte, zu „Missverständnissen" geführt habe. Nichts läge ihm ferner, als religiöse Gefühle zu verletzen, sagt der Diplomat im Gespräch mit der „Krone" (Donnerstag).

„Weihnachten in der heutigen Konsumgesellschaft"

Und: "Ich hatte mich auf das Weihnachten in der heutigen Konsumgesellschaft bezogen und keine einzige Aussage über Anhänger eines bestimmten Glaubens, seien es Christen oder Muslime, getroffen. Wenn ich etwas kritisiert habe, dann, dass dabei wertvolle Traditionen in Vergessenheit geraten sind bzw. ihre ursprüngliche Bedeutung entfremdet wurde."

Der Botschafter war wegen der Aussage bereits am Mittwoch zu einem Gespräch ins Integrationsministerium geladen worden. Dabei kündigte Integrationsministerin Susanne Raab eine Prüfung der Veranstaltung durch das Kultusamt an. Der Botschafter bekräftigte, er sei missverstanden worden.

In dem Gespräch auf Beamtenebene habe man gegenüber Ceyhun, der erst im Februar zum Vertreter Ankaras in Österreich bestellt worden war, laut einer Aussendung des Ministeriums "unmissverständlich klargestellt, dass eine Geringschätzung der österreichischen Werte und Traditionen nicht akzeptiert wird". Raab, so heißt es, werde prüfen lassen,  ob es sich bei der Veranstaltung des türkischen Vereins in Wien um eine religiöse Versammlung oder eine politische Veranstaltung gehandelt hatte, und ob dabei „die positive Grundeinstellung gegenüber Gesellschaft und Staat verletzt" worden sei.

Raab: „Einfluss aus der Türkei lehne ich ab."

Des Weiteren sei zu klären, ob es zu Verstößen gegen das Islamgesetz gekommen sei. „Einfluss aus der Türkei auf Vereine in Österreich lehne ich als Integrationsministerin vehement ab", so Raab.

Ceyhun war 1981 als 20-Jähriger erst nach Österreich, wenig später nach Deutschland ausgewandert. Dort machte er eine Ausbildung zum Pädagogen, war viele Jahre bei den Grünen als Experte für Migrations- und Aslyfragen aktiv, kam ins EU-Parlament, wechselte aber im Jahr 2000 zur SPD und war für diese bis 2004 im EU-Parlament.

Später diente er sich der AK-Partei des jetzigen Präsidenten Erdogan an und kandidierte 2015 für diese in einem Wahlkreis in Izmir. Wie man Berichten sowie von ihm selbst auf Twitter verbreiteten Aussagen entnehmen kann, wurden seine Standpunkte offenbar immer islamistisch-nationalistischer. Mindestens einmal fiel dabei der Ausdruck „Tempelritter", womit offenbar Christen gemeint waren.

Orchestrierung von Migrantenansturm dementiert

Kurz nach seinem Amtsantritt in Wien hatte Ceyhun im März in einem Interview mit der „Presse" dementiert, dass die türkische Regierung den seinerzeitigen Ansturm von Migranten auf die türkisch-griechische Grenze in Thrakien orchestriert habe. "Die türkische Regierung würde nie verantwortungslos handeln", erklärte er.

Tatsächlich war dieser wochenlange Ansturm, den griechische Grenzer und Soldaten letztlich abblocken konnten, durch veröffentlichte Äußerungen Erdogans ausgelöst worden, wonach die Grenze zu Griechenland offen sei. Zudem wurden Tausende Migranten offenbar mit extra bereitgestellten Bussen an die Grenze gekarrt. Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) und Vizekanzler Werner Kogler (Grüne) warfen Erdogan damals ebenfalls vor, die Sache initiiert zu haben.

(APA; red.)