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Kinderbuch der Woche: Ein Kleinod der Waldbetrachtung

(c) Kunstansifter
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„Die Presse" liest Neuerscheinungen. Ein unscheinbar wirkendes, schmales Büchlein zum Wald zeigt kunstreich, was wir erfühlen, sehen und wissen sollten.

Wann geht uns die Gabe des genauen Hinsehens eigentlich verloren? Oder hapert es irgendwann einfach am Willen? An der Zeit? Kinder machen es ganz selbstverständlich, wenn sie klein sind. Sie können ewig vor einem Ameisenhügel stehen oder Stöcke einsammeln, betrachten die feinen Adern eines Blattes ganz genau. Gerade der Wald bietet einen unerschöpflichen Vorrat an Entdeckungen, er erdet und schärft die Sinne. Genau wie das schmale Büchlein in unscheinbarem Waldbodenbraun, das Linda Wolfsgruber geschrieben und illustriert hat.

Sie versammelt in dieser „Kleinen Waldfibel“ Wissenswertes über Ameisen, Bienen oder Waldfrüchte, widmet eden größten Teil der Bestimmung von Bäumen, streut dazwischen Gedichte, von Goethe etwa oder Heinz Erhardt. Auf jeder Doppelseite feine, detailreiche Bilder. Hier findet man Erhellendes und Witziges, lose ineinandergefügt und ohne Inhaltsverzeichnis, sogar Rezepte; insgesamt ist das Büchlein mehr Inspiration als Nachschlagewerk. Die ausnehmend schöne Buchgestaltung so wie die Illustrationen machen es zu einem Kleinod unter den vielen großformatigen, imposanten Sachbücher, die man derzeit oft sieht - es findet durch seine Kompaktheit garantiert noch ein Plätzchen im Wanderrucksack. Vielleicht auch eher in dem der Erwachsenen als dem der Kinder.

Linda Wolfsgruber: Die kleine Waldfibel. Buchgestaltung: Christiane Dunkel-Koberg. Erschienen bei Kunstanstifter, 144 Seiten, 24 Euro. Alter: Ab fünf Jahren.

Wunderbare Buchgestaltung von Christiane Dunkel-Koberg.
Wunderbare Buchgestaltung von Christiane Dunkel-Koberg.