Bei Österreichs Banken wackeln bis zu 10.000 Jobs

Banken wackeln 10000 Jobs
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Wegen neuer Vorschriften drohen die Institute mit hohen Einsparungen. Den Banken stehen vier Möglichkeiten offen: Kosten senken, Gebühren erhöhen, Kreditvolumen reduzieren, oder geringere Gewinnausschüttungen.

Wien. Kommen alle derzeit diskutierten Steuern und Auflagen, brauchen Österreichs Banken jährlich bis zu 9,6 Milliarden Euro. Zu diesem Ergebnis kommt eine am Wochenende vorgestellte Studie der Bank Austria, die erstmals detailliert die Auswirkungen aller Belastungen für die heimische Finanzbranche berechnet hat.

Die Analyse beinhaltet unter anderem die Bankensteuer in Österreich und Ungarn, die strengeren Eigenkapitalvorschriften („Basel III“) und die von der EU geplante Einlagensicherung. Die 9,6 Milliarden Euro sind ein Worst-Case-Szenario. Doch auch in der für die Banken günstigsten Situation würden sich die jährlichen Zusatzbelastungen auf 4,1 Milliarden Euro belaufen. „Die aktuell diskutierten Maßnahmen sind für den Finanzsektor nicht leistbar“, schlägt Bank-Austria-Chef Willibald Cernko Alarm. Er erinnert daran, dass Österreichs Banken in den vergangenen fünf Jahren in Summe einen Gewinn von durchschnittlich 5,8 Milliarden Euro erzielt haben. 2008 und 2009 waren es wegen der Finanzkrise deutlich weniger. „Daher sind jährliche Zusatzbelastungen von 4,1 Milliarden bis 9,6 Milliarden Euro für uns schwer darstellbar“, warnt Cernko. Einige Institute würden sogar in die Verlustzone rutschen.

 

Gewinne schrumpfen

Um die erforderlichen Milliarden aufzubringen, stehen den Banken vier Möglichkeiten offen:

• Kosten senken: Gemeint ist hier in erster Linie der Abbau von Mitarbeitern. Denn 60 Prozent der Gesamtkosten bei Banken entfallen auf das Personal. Cernko spricht von einer „signifikanten Größe“. „Wir reden hier von tausenden Arbeitsplätzen. Es sind 5000 bis 10.000, die im Feuer stehen“, meint der Banker. Derzeit hat die heimische Finanzbranche zwischen 70.000 und 80.000 Beschäftigte. Bei der Bank Austria selbst ist allerdings kein größerer Kahlschlag geplant. „Wir haben bereits in den vergangenen Jahren die Kosten deutlich reduziert. Wir waren in der Branche Vorreiter.“

• Gebühren erhöhen: Die Banken müssten die Zusatzbelastungen auf die Kunden abwälzen. Bei den Kontospesen sind allerdings keine großen Sprünge möglich, da diese laut Gesetz an die Entwicklung des Verbraucherpreisindex gekoppelt sind. Mehr Spielraum haben die Institute bei Krediten. Laut Bank-Austria-Studie könnten sich Privatkredite um 0,13 bis 0,30 Prozentpunkte verteuern.

• Kreditvolumen reduzieren: Die Institute würden ihr Geschäft massiv zurückfahren. Die Bank Austria prognostiziert beim Kreditvolumen im schlimmsten Fall einen Rückgang um 30 Prozent. Dies wären 94 Mrd. Euro. Im günstigsten Fall ergäbe sich ein Minus von neun Prozent beziehungsweise 27 Mrd. Euro. Für die Realwirtschaft hätte dies dramatische Auswirkungen. Die Industrie würde von der Finanzbranche kaum noch Geld bekommen.

• Geringere Gewinnausschüttungen: Die Eigentümer der Finanzinstitute müssten sich mit niedrigeren Dividenden zufriedengeben. Im Vergleich zu anderen Branchen wären Banken für Investoren allerdings unattraktiv. Nur wenige würden Aktien von Banken kaufen. Bei angeschlagenen Instituten wie der Hypo Alpe Adria würde sich die Situation weiter verschärfen.

 

Ärger wegen Bankensteuer

„Uns geht es nicht um Panikmache, sondern um Objektivierung auf Basis der Informationen, die wir jetzt haben“, so Bank-Austria-Chef Cernko zu den Ergebnissen der Studie. Er appelliert daher an die Regierung, die Einführung der Bankensteuer zu verschieben. „Lieber ein, zwei Quartale länger vorbereiten als vorschnell agieren.“ Die Regierung will die Details kommenden Herbst präsentieren.

Umgesetzt werden soll die Abgabe Anfang 2011. Für Cernko ist dies zu früh. Denn Ende 2010 werden die internationalen Aufsichtsbehörden die strengeren Eigenkapitalregeln fixieren. Erst dann steht fest, wie viel zusätzliches Eigenkapital Österreichs Banken brauchen.

Ziehe die Regierung die Abgabe außerdem ohne europäischen Gleichklang durch, könnte sich später ein riesiger Reparaturbedarf ergeben, warnt Cernko. Viel vernünftiger sei es, die Banken in einen Krisenfonds einzahlen zu lassen. Ein solches Modell wurde in Deutschland beschlossen. Dabei handelt es sich um eine Art Versicherung für künftige Krisen.

Die Regierung will von einer Verschiebung der Bankensteuer allerdings nichts wissen. Auch an den vorgesehenen Einnahmen von 500 Millionen Euro fürs Budget sei nicht zu rütteln, heißt es von SPÖ und ÖVP.

 

Stresstest-Ergebnisse

Eines der Probleme ist, dass Österreichs Banken im internationalen Vergleich über geringe Eigenkapitalquoten verfügen. Daher werden die heimischen Institute beim europäischen Stresstest, dessen Resultate am 23. Juli veröffentlicht werden, nicht besonders gut abschneiden. Geprüft werden 91 europäische Großbanken. Von Österreich nehmen Bank Austria, Raiffeisen Zentralbank und Erste Bank teil. Cernko schätzt, dass deren Ergebnisse „am Beginn des unteren Drittels“ liegen werden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.07.2010)