Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Neu im Kino: Kung Fu Kid - Ein Missverständnis

Kino Kung Missverstaendnis
(c) Sony
  • Drucken

Harald Zwart, Regisseur des neuen Karate Kid, bläht die Neuauflage des Achtzigerjahre-Überraschungshits unnötige auf. Ein Vollkasko-Desaster trotz guter Darsteller: Jackie Chan, Jaden Smith.

Es gibt Genres, die brauchen keine vielschichtigen Charaktere und komplexen Handlungsstränge: Eine Reiz-Reaktion-Dramaturgie reicht völlig aus. Der Martial-Arts-Film, in Asien seit Dekaden kultiviert, eroberte über die Schlüsselfigur Bruce Lee den Okzident und bot eine spirituelle Alternative zu mitteleuropäischen Bud-Spencer-Prügelorgien. In den 1980ern landete er dann in Hollywood: In fernöstlichen Kampfkünsten geschulte Akteure wie Jean-Claude Van Damme, Chuck Norris oder Cynthia Rothrock traten und schlugen sich in formelhaften, doch effizienten Filmen durchs Jahrzehnt.

Das Gleichgewicht von Geist und Körper, das Bezwingen von übermächtigen Gegnern durch hartes Training, absolute Körperbeherrschung und schiere Willenskraft – das war auch die Essenz von The Karate Kid, einem Überraschungshit des Jahres 1984: Rocky-Regisseur John G. Avildsen inszenierte die Geschichte eines Jugendlichen, der in Japan an einem Karate-Turnier teilnimmt. Im Zuge der Großstudio-Nostalgiewelle entstand nun die Neuinterpretation des Handkanten-Entwicklungsromans: Wie sehr dabei mit jenem Jahrzehnt kokettiert wird, das eigentlich jeder immer vergessen wollte, merkt man an den warmen Farben und der sperenzchenfreien Kameraarbeit, aber auch am hoffnungsfrohen Ton der Erzählung.

Der 12-jährige Dre Parker (Jaden Smith, Sohn von Will) zieht mit seiner Mutter aus dem ökonomisch ausgelaugten Detroit ins boomende Peking: Gleich am ersten Tag freundet er sich mit der hübschen Geigenschülerin Mei Ying an und wird von chinesischen Gleichaltrigen verprügelt. Um deren akrobatischen Bewegungen etwas entgegensetzen zu können, lässt Dre sich vom wortkargen Hauswart Mr.Han (Jackie Chan) in Kung Fu – nicht Karate! – ausbilden. Ziel ist ein nationaler Kampfsportbewerb, bei dem er schließlich den Anführer der Schlägerbande konfrontieren muss.

Martial-Arts-Filme konzentrieren sich auf die Verschmelzung von Geist und Physis: Zuckende Muskeln und hervortretende Adern schließen die Erleuchtung nicht aus, sie führen sie herbei. Die Dramaturgie ist auf die Hauptfigur abgestimmt: Erst wird sie geschunden, geschlagen, erniedrigt. Dann steht sie wieder auf, trainiert bis an die Grenze der Leistungsfähigkeit (wo die Weisheit wartet) und konfrontiert als neu konstituiertes Individuum erneut den Anfangsgegner. Es ist ein schnelles Genre, ohne unnötigen Zierrat, aufs Wesentliche reduziert: Die klassische Filmlänge ist gut 90 Minuten.

Harald Zwart, Regisseur des neuen Karate Kid, hat das Genre ebenso missverstanden wie die Slapstick-Komödie (die er mit dem humorfreien Pink Panther 2 entweihte): Statt sich auf das Verhältnis zwischen Dre und Mr.Han (beide hervorragend gespielt) zu konzentrieren, erzählt er hier ein wenig von der Mutter, dort ein wenig über die Familienprobleme von Dres Freundin, bläht den Film auf unendlich scheinende, vollkommen unnötige 140 Minuten auf. Wenn der entscheidende Kampf kommt, ist das dramaturgische Gerüst dieses Vollkasko-Films längst in sich zusammengebrochen.

DIE KARATE-ERFOLGSSTORY

„Karate Kid“ mit Ralph Macchio in der Titelrolle und Pat Morita als unvergesslichem Mr. Miyagi wurde 1984 ein unerwarteter Welterfolg. 1986 und 1989 folgten Teil zwei und drei, 1994 nahm Mr. Miyagi in The Next Karate Kid ein Mädchen (Hilary Swank!) unter seine Fittiche. Ab Freitag, dem 23.Juli, läuft die Neuverfilmung in Österreichs Kinos.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.07.2010)