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Parfumkolumne

Riechstoff: Sinn und Sinnlichkeit

"Musc ravageur" ist laut Frédéric Malle "sex in a bottle".
"Musc ravageur" ist laut Frédéric Malle "sex in a bottle".beigestellt
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Die Erfolgsgeschichte der Parfumeditionen von Frédéric Malle nahm vor beinah zwanzig Jahren auch dank einem mit Sexualität und Sinnlichkeit spielenden Duft Fahrt auf. Ein Rückblick.

Seinen Sinn für dramatische Effekte hat Frédéric Malle vielleicht von seinem Onkel geerbt – es handelt sich um keinen Geringeren als Nouvelle-Vague-Regisseur Louis Malle. Doch Malle kann noch eine zweite Familienberufstradition evozieren, nämlich jene der Haute Parfumerie. Sein Großvater Serge Hefler-Louiche gründete die für Parfums zuständige Sparte des Hauses Dior; Malles Mutter, Marie-Christine Wittgenstein, trat in seine Fußstapfen – und Frédéric Malle gehört somit der dritten Parfumgeneration seiner Familie an.

Malle freilich wurde nicht selbst zur „Nase“, sondern er gründete im Jahr 2000 seine besonders anspruchsvoll konzipierten „Éditions de parfums“. Die Idee: Besonders talentierte Parfümeure sollten unabhängig von Marketing- oder ökonomischen Zwängen ihrer Fantasie freien Lauf lassen. Die Ergebnisse beeindrucken mit schöner Regelmäßigkeit seit nunmehr 20 Jahren (hoffentlich auch ­weiterhin – die Firma wurde vor Kurzem von Estée Lauder übernommen).

Einen ersten Tusch und dramatischen Effekt setzte Malle als „Parfumverleger“ etwa 2001, als er Maurice Roucel seine parfümistische Version von Haut, Sinnlichkeit, Sexualität vorlegen ließ: Die Kreation „Musc ravageur“ ist selbsterklärend, eine Moschuskomposition, die Verwüstung hinterlassen soll. Monsieur Malle nennt dieses Parfum lakonisch „sex in a bottle“, Roucel selbst spricht von einer seiner gelungensten Kreationen überhaupt. Es überrascht kaum, dass das Maison mit einem Fokus auf diesen sagenhaft sinnlichen und tatsächlich für Aufsehen (-riechen?) sorgenden Duft in sein Jubiläumsjahr startet.